Lagebericht Oberflächengewässer
Lagebericht Oberflächengewässer
Herausgegeben am Mittwoch, 19. August 2026, 14:30 Uhr
Aktualisierung in Niedrigwassersituationen am Mittwoch gegen 14:30 Uhr oder bei relevanten Lageänderungen. Für aktuelle Messwerte folgen Sie den Verlinkungen zu Abfluss und Wasserstand, Güteparameter bzw. Grundwasser
Hinweis in eigener Sache: Über die „Meine Umwelt“-App können ab sofort Niedrigwasserlagen in Gewässern mittels Bilder gemeldet werden. Weitere Informationen zur App finden Sie hier: https://umweltportal.baden-wuerttemberg.de/meine-umwelt-app
Extremes Niedrigwasser
Sinkende Wassertemperaturen nach Wetterumschwung.
Allgemeine Lage
Extremes Niedrigwasser im gesamten Land.
Die Wasserstände sind größtenteils auf einem extrem niedrigen Niveau. In Baden-Württemberg melden 53% der NIZ-Pegel extrem niedrige Wasserstände, 33% sehr niedrige Wasserstände und weitere 7% der NIZ-Pegel niedrige Wasserstände (Vorstufe Niedrigwasser). An 7% der NIZ-Pegel sind die Wasserstände derzeit moderat niedrig.
Ausblick: Vereinzelt kurzzeitige Pegelanstiege, keine langfristige Entspannung.
Die in den letzten Tagen im nördlichen Baden-Württemberg und am Bodensee gefallenen Niederschläge sorgen kurzzeitig für leichte Pegelanstiege. Zum Wochenende hin sind insb. für den Südosten Baden-Württembergs weitere Niederschläge vorhergesagt, die zumindest vorübergehend zu einem Anstieg der Pegel führen können. Eine langanhaltende Entlastung wird dadurch allerdings nicht erwartet.
Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.
Ursache der aktuellen Niedrigwasserlage ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut.
Der Juli war mit rund 40 mm Monatsniederschlag in Baden-Württemberg ungewöhnlich trocken (der Mittelwert für Juli liegt bei 91 mm) und vor allem im Bereich der Hohenloher Ebene seien laut DWD teilweise weniger als 10 mm gefallen. Bereits im Juni fiel mit rund 55 mm nur etwa die Hälfte des üblichen Niederschlags von 107 mm. Seit November 2025 waren mit Ausnahme des Februars alle Monate zu trocken.
Fazit/Ausblick
IIm Großteil der Gewässer des Landes sind die Wasserstände auf einem extrem niedrigen Niveau. Ursache ist die seit mehreren Monaten anhaltende Trockenheit. Trotz gefallener und angekündigter Niederschläge zum Wochenende ist eine nachhaltige Entspannung derzeit nicht in Sicht.
Lage in den großen Gewässern
Bodensee
Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 274 cm (Tagesmittel vom 18. August 2026). Er liegt damit 96 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (370 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem historischen Minimalwert für den 18. August von 292 cm im Jahr 2003 (Auswertezeitraum ab 1850).
Den niedrigsten Wasserstand im Gesamtjahr erreicht der Bodensee zumeist in den Monaten Februar oder März. Die diesjährige Niedrigwasserlage führt jedoch zu der außergewöhnlichen Situation, dass der Bodensee seit dem 15.08.2026 den bisherigen Tiefstwert aus 2026 von 276 cm vom 09. Februar unterschritten hat. Bezogen auf den gesamten Auswertezeitraum seit 1850 wurde der niedrigste Seewasserstand von 226 cm über mehrere Tage Ende Februar/Anfang März im Frühjahr 1858 gemessen.
Entsprechend den Vorhersagen stabilisiert sich der Wasserstand des Bodensees in den nächsten Tagen. Zum Wochenende ist niederschlagsbedingt mit einem leichten Anstieg des Wasserstands zu rechnen.
Entsprechend dem natürlichen Jahresgang ist in den kommenden Wochen tendenziell mit einem Rückgang der Seewasserstände zu rechnen. Ursache dafür ist, dass die Beiträge aus der Schneeschmelze in den alpinen Zuflüssen nur mehr sehr gering sind. Hinzu kommt, dass an einem heißen Sommertag die Verdunstung aus dem Bodensee durchaus auf bis zu 30 m³/s steigen kann.
In den letzten Wochen ist es im Einzugsgebiet des Bodensees sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees führt außergewöhnlich weniger Wasser: am 18. August führte der Alpenrhein im Tagesmittel am Pegel Diepoldsau nur 128 m³/s anstatt der für dieses Datum übliche 232 m³/s (Quelle: Bundesamt für Umwelt der Schweiz BAFU).
Oberrhein
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); am Oberrheinpegel Maxau wurde am 18. August im Tagesmittel ein Wasserstand von 336 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 475 m³/s.
Der aktuelle Wasserstand liegt 162 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (498 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem bisherigen Minimalwert für den 18. August von 352 cm im Jahr 2022.
Aktuelle Vorhersagen zeigen weiterhin NW-Stufe 2 in den kommenden Tagen. Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.
Neckar
Sehr niedrig (Niedrigwasser-Stufe 1); der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 11. August einen mittleren Abfluss von 8,4 m³/s. Nach einem geringfügigen Anstieg wird der Abfluss laut aktuellen Vorhersagen in den kommenden Tagen auf sehr niedrigem Niveau (Niedrigwasser-Stufe 1) bleiben.
Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.
Donau
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober. Die aktuellen Vorhersagen zeigen zum Wochenende vorübergehend einen geringfügigen Anstieg am Pegel.
Wasserqualität in den Fließgewässern
Wassertemperatur
Die Wassertemperaturen liegen an den meisten Gütemessstationen in Rhein, Neckar, Donau und Nebenflüssen über den langjährigen Mittelwerten für diese Jahreszeit. Infolge des Wetterumschwungs ist im Vergleich zur Vorwoche bereits ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen.
Für die kommenden Tage ist laut den aktuellen Vorhersagen, insbesondere ab dem Wochenende, mit einer weiteren deutlichen Abkühlung zu rechnen.
Sauerstoffgehalt
Die Sauerstoffgehalte in Neckar, Rhein und Donau sind im Vergleich zur Vorwoche zurückgegangen, liegen derzeit jedoch in einem unkritischen Bereich.
Im Neckar werden an den Messstationen aktuell auch in den frühen Morgenstunden keine kritischen Sauerstoffgehalte unterhalb von 4,5 mg/L gemessen.
Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet, da insbesondere nach starken Gewitterregen sauerstoffzehrende Stoffe über Regenwasserentlastungen in Kanalnetze eingetragen werden und schnell fallende Sauerstoffgehalte zur Folge haben.
Grundwasser
Die Grundwasserstände und Quellschüttungen wurden am Dienstag den 18.08.2026 aktualisiert und repräsentieren überwiegend die Grundwasserverhältnisse Mitte August (Zeitpunkt letzter Messwert variiert zwischen Messstellen).
Mitte August verzeichnen 91 % der Messstellen rückläufige Tendenzen. Davon bewegen sich 54 % noch im Normalbereich, während 46 % sich bereits auf niedrigem Niveau befinden. Dieser Trend wird sich in den kommenden Wochen, trotz angekündigter Schauer und Gewitter, landesweit fortsetzen. Halten Niederschläge über längere Zeiträume an und bleiben Temperaturen moderater, kann es aber zu einer Abschwächung der rückläufigen Tendenz kommen.
Wasserhaushalt
Bodenfeuchte: Trockenstress für die Pflanzen
Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 18,5% nFK. Das bedeutet Trockenstress für die Pflanzen. Die Vorhersagen zeigen relativ gleichbleibende Verhältnisse in den Böden für die nächsten Tage. Regional gibt es größere Abweichungen der Bodenfeuchte (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte). Damit liegt die Bodenfeuchte deutlich unter dem Mittelwert.
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden, die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.
Klimatische Wasserbilanz: historisches Wasserdefizit
Baden-Württemberg erlebt derzeit ein historisches Wasserdefizit. Anfang August ist die klimatische Wasserbilanz so niedrig wie nie zuvor in den vorliegenden Daten seit 1991.
Das bedeutet: Es ist deutlich mehr Wasser durch Verdunstung verloren gegangen, als durch Regen nachgekommen ist. Im aktuellen hydrologischen Jahr (November bis Oktober) weist der Zeitraum von November bis Juli ein außergewöhnlich großes Minus von -155 mm auf. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel beträgt die Wasserbilanz in diesem Zeitraum +252 mm.
Die klimatische Wasserbilanz beschreibt den Unterschied zwischen dem Wasser, das durch Niederschlag hinzukommt, und dem Wasser, das durch Verdunstung wieder verloren geht. Ist die Bilanz stark negativ, trocknen Böden, Gewässer und Vegetation zunehmend aus.
Datenquelle für Niederschlag und potenzielle Verdunstung: Deutscher Wetterdienst (DWD).
NIZ-Info
Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land. Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.