NIZ-Lagebericht Gewässer

Herausabe: Mittwoch, 02. September 2026, 14:30 Uhr
Nächste Aktualisierung: mittwochs gegen 14:30 Uhr (oder bei relevanten Lageänderungen)

Für aktuelle Messwerte nutzen Sie bitte diese Direktlinks: 
Abfluss und Wasserstand | Güteparameter | Grundwasser

Allgemeine Lage

Extremes Niedrigwasser im gesamten Land.
Wassertemperaturen geringfügig oberhalb des Bereichs der langjährigen Mittelwerte.​​​​​

Knapp die Hälfte der Pegel sind auf extrem niedrigen Niveau: In Baden-Württemberg melden 44% der NIZ-Pegel extrem niedrige Wasserstände, 39% sehr niedrige Wasserstände und weitere 6% der NIZ-Pegel niedrige Wasserstände (Vorstufe Niedrigwasser). An 10% der NIZ-Pegel sind die Wasserstände derzeit moderat niedrig.

Niedrigwasser bleibt: keine langfristige Entspannung in Sicht.

Laut aktuellen Vorhersagen gibt es in den kommenden Tagen keinen nennenswerten Niederschlag. Zudem wird ein eher trockenen September vorhergesagt. Die Pegelstände werden daher weiter zurückgehen. Am Großteil der Gewässer werden wieder extrem niedriger Wasserstände erwartet.

Der Grund: Die Pegelstände sinken an trockenen Tagen schnell auf den grundwassergespeisten Abfluss ab (Basisabfluss). Dieser Basisabfluss ist derzeit sehr gering. Eine wesentliche Verbesserung der Situation ist erst bei deutlich erhöhtem und anhaltendem Niederschlag zu erwarten. Da das Grundwasser hauptsächlich durch Herbst- und Winterniederschläge neugebildet wird, ist unter normalen Verhältnissen erst im Winter mit einer Entspannung der Trockensituation zu rechnen.

Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.

Ursache der aktuellen Niedrigwasserlage ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut.

Im August hat es im Landesdurchschnitt nur rund 63 mm geregnet. Das ist deutlich weniger als der typische August-Niederschlag (95 mm). Bereits der Juli war mit rund 40 mm Monatsniederschlag in Baden-Württemberg ungewöhnlich trocken (der Mittelwert für Juli liegt bei 91 mm). Seit November 2025 waren mit Ausnahme des Februars alle Monate zu trocken.

Fazit/Ausblick

An knapp der Hälfte der Pegel des Landes sind die Wasserstände auf einem extrem niedrigen Niveau. Ursache ist die seit mehreren Monaten anhaltende Trockenheit. Die Situation wird sich in den kommenden Tagen weiter verschärfen. Eine nachhaltige Entspannung im September ist derzeit nicht in Sicht.

Lage in den großen Gewässern

Bodensee

Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 276 cm (Tagesmittel vom 01. September 2026). Er liegt damit 85 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (361 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem historischen Minimalwert für den 01. September von 283 cm im Jahr 2003 (Auswertezeitraum ab 1850).

Den niedrigsten Wasserstand im Gesamtjahr erreicht der Bodensee zumeist in den Monaten Februar oder März. Die diesjährige Trockenheit führt jedoch zu der außergewöhnlichen Situation, dass der Bodensee am 13.08.2026 den bisherigen Tiefstwert aus 2026 von 276 cm vom 09. Februar unterschritten hat. Bezogen auf den gesamten Auswertezeitraum seit 1850 wurde der niedrigste Seewasserstand von 226 cm über mehrere Tage Ende Februar/Anfang März im Frühjahr 1858 gemessen.

Laut den Vorhersagen geht der Wasserstand des Bodensees in den nächsten Tagen weiter zurück.

Entsprechend dem natürlichen Jahresgang ist in den kommenden Wochen tendenziell mit einem Rückgang der Seewasserstände zu rechnen. Ursache dafür ist, dass die Beiträge aus der Schneeschmelze in den alpinen Zuflüssen nur mehr sehr gering sind.

In den letzten Wochen und Monaten ist es im Einzugsgebiet des Bodensees sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees führt außergewöhnlich weniger Wasser: am 01. September führte der Alpenrhein im Tagesmittel am Pegel Diepoldsau nur 79 m³/s anstatt der für dieses Datum übliche 246 m³/s (Quelle: Bundesamt für Umwelt der Schweiz BAFU). 

Oberrhein

Sehr niedrig (Niedrigwasser-Stufe 1); am Oberrheinpegel Maxau wurde am 01. September im Tagesmittel ein Wasserstand von 352 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 528 m³/s.

Der aktuelle Wasserstand liegt 147 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (499 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem bisherigen Minimalwert für den 01. September von 370 cm im Jahr 2003.

Die aktuelle Vorhersage zeigt NW-Stufe 2 in den kommenden Tagen. Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.

Neckar

Moderat niedrig; der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 01. September einen mittleren Abfluss von 14 m³/s.  Nach aktuellen Vorhersagen wird der Wasserstand bis zum Wochenende auf extrem niedrig zurückfallen (NW-Stufe 2).

Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.

Donau

Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober. Die aktuellen Vorhersagen zeigen weiterhin extrem niedrige Wasserstände in den kommenden Tagen.

Wasserqualität in den Fließgewässern

Wassertemperatur

Die Wassertemperaturen sind seit Ende der letzten Hitzeperiode vor ungefähr einer Woche deutlich zurückgegangen und zeigen sich derzeit an den Gütemessstationen in Rhein, Neckar, Donau und Nebenflüssen im Bereich oder leicht oberhalb der langjährigen Mittelwerte für diese Jahreszeit. In der Südhälfte des Landes wie bei Weil am Rhein, Radolfzeller Aach oder an der Donau bei Ulm/Wiblingen liegen die Wasser-temperaturen hingegen weiterhin deutlich über den langjährigen Mittelwerten.

Für die kommenden Tage ist laut den aktuellen Vorhersagen zunächst bis Freitag (04.09.) von gleichbleibenden Wassertemperaturen auszugehen. Ab dem Wochenende (05./06.06.) wird wieder ein minimales Ansteigen erwartet.

Sauerstoffgehalt

Die Sauerstoffgehalte in Neckar, Rhein und Donau liegen derzeit in einem unkritischen Bereich.

Im Neckar werden an den Messstationen aktuell auch in den frühen Morgenstunden keine kritischen Sauerstoffgehalte unterhalb von 4,5 mg/L gemessen.

Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet, da insbesondere nach starken Gewitterregen sauerstoffzehrende Stoffe über Regenwasserentlastungen in Kanalnetze eingetragen werden und schnell fallende Sauerstoffgehalte zur Folge haben können.

Grundwasser

Die Grundwasserstände und Quellschüttungen wurden am Mittwoch, den 02.09.2026, aktualisiert und repräsentieren überwiegend die Grundwasserverhältnisse Anfang September (Zeitpunkt letzter Messwert kann zwischen Messstellen variieren).

Anzahl der Messstellen nach Grundwasserverhältnis und Tendenz für Anfang September (Aktualisierung 02.09.2026)
Grundwasserverhältnisse Tendenz

unbestimmt (0)

niedrig (34)

mittel (36)

hoch (0)

 

 

 

1

 

unbestimmt (1)

 

32

28

 

rückläufig (60)

 

2

7

 

stabil (9)
        ansteigend (0)

 

Durch die Niederschläge der letzten Wochen, hat sich der Anteil an Grundwassermessstellen (60 von 70) mit rückläufiger Tendenz im Vergleich zu Mitte August leicht reduziert (91% → 86%). Hauptgrund dafür ist die Verbesserung der Lage an einigen Messstellen mit Einfluss durch Oberflächengewässer, da diese aufgrund der angestiegenen Pegelstände ins Grundwasser infiltriert haben. An 13% der Messstellen (9 von 70) haben sich stabile Verhältnisse eingestellt.

Betrachtet man die Messstellen mit rückläufiger Tendenz (86%) differenziert und im Vergleich zur Lage Mitte August, hat der Anteil von Messtellen im Normalbereich abgenommen (54% → 47%) und der Anteil auf niedrigem Niveau zugenommen (46% → 53%). Die Niedrigwasserphase setzt sich derzeit mit Ausnahme einiger Bereiche, in denen die Infiltration durch Oberflächengewässer vorerst einen stabilisierenden bzw. positiven Einfluss genommen hat, weiter fort. Aufgrund der vom Deutschen Wetterdienst wieder zunehmend wärmer gemeldeten Wetterlagen im Süden Deutschlands, ist voraussichtlich nicht damit zu rechnen, dass sich die Lage in den nächsten Wochen weiträumig entspannen wird.

Wasserhaushalt

Bodenfeuchte: Trockenstress für die Pflanzen

Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 30% nFK. Das bedeutet  beginnender Trockenstress für die Pflanzen. Die Vorhersagen zeigen Werte deutlich unter 30 % nFK. Regional gibt es größere Abweichungen der Bodenfeuchte (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte). Damit liegt die Bodenfeuchte deutlich unter dem Mittelwert.
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden (bis ca. 1,8 m Tiefe), die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.

Klimatische Wasserbilanz: historisches Wasserdefizit

Baden-Württemberg erlebt derzeit ein historisches Wasserdefizit. Anfang September ist die klimatische Wasserbilanz so niedrig wie nie zuvor in den vorliegenden Daten seit 1991.

Das bedeutet: Es ist deutlich mehr Wasser durch Verdunstung verloren gegangen, als durch Regen nachgekommen ist. Im aktuellen hydrologischen Jahr (November bis Oktober) weist der Zeitraum von November bis August ein außergewöhnlich großes Minus von -225 mm auf. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel beträgt die Wasserbilanz in diesem Zeitraum +252 mm.

Die klimatische Wasserbilanz beschreibt den Unterschied zwischen dem Wasser, das durch Niederschlag hinzukommt, und dem Wasser, das durch Verdunstung wieder verloren geht. Ist die Bilanz stark negativ, trocknen Böden, Gewässer und Vegetation zunehmend aus.

Datenquelle für Niederschlag und potenzielle Verdunstung: Deutscher Wetterdienst (DWD).

NIZ-Info

Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land.

Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.