Lagebericht Oberflächengewässer
Lagebericht Oberflächengewässer
Herausgegeben am Mittwoch, 12. August 2026, 14:30 Uhr
Aktualisierung in Niedrigwassersituationen am Mittwoch gegen 14:30 Uhr oder bei relevanten Lageänderungen. Für aktuelle Messwerte folgen Sie den Verlinkungen zu Abfluss und Wasserstand, Güteparameter bzw. Grundwasser
Extremes Niedrigwasser
Wassertemperaturen auf anhaltend hohem Niveau.
Allgemeine Lage
Extremes Niedrigwasser im gesamten Land.
Die Wasserstände sind größtenteils auf einem extrem niedrigen Niveau und sinken weiter. In Baden-Württemberg melden 76% der NIZ-Pegel extrem niedrige Wasserstände, 23% sehr niedrige Wasserstände und weitere 1% der Pegel niedrige Wasserstände (Vorstufe Niedrigwasser).
Ausblick: Niedrigwasserlage bleibt bestehen.
Ab dem 16./17. August deutet sich eine Umstellung der Wetterlage an, die voraussichtlich zu kühleren Temperaturen sowie teils zu Niederschlägen führt. Ob hierdurch eine Änderung der Niedrigwasserlage zu erwarten ist, zeigt die Entwicklung der NIZ-Vorhersagen im Verlauf der kommenden Tage.
Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.
Ursache der aktuellen Entwicklung ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut.
Der Juli war mit rund 40 mm Monatsniederschlag in Baden-Württemberg ungewöhnlich trocken (der Mittelwert für Juli liegt bei 91 mm) und vor allem im Bereich der Hohenloher Ebene seien laut DWD teilweise weniger als 10 mm gefallen. Bereits im Juni fiel mit rund 55 mm nur etwa die Hälfte des üblichen Niederschlags von 107 mm. Seit November 2025 waren mit Ausnahme des Februars alle Monate zu trocken.
Fazit/Ausblick
Im Großteil der Gewässer des Landes sind die Wasserstände auf einem extrem niedrigen Niveau. Ursache ist die seit mehreren Monaten anhaltende Trockenheit. Eine nachhaltige Entspannung ist derzeit nicht in Sicht. Das Niedrigwasser wird sich voraussichtlich weiter verschärfen.
Lage in den großen Gewässern
Bodensee
Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 278 cm (Tagesmittel vom 11. August 2026). Er liegt damit 99 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (377 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem historischen Minimalwert für den 11. August von 298 cm im Jahr 1949 (Auswertezeitraum ab 1850).
Den niedrigsten Wasserstand im Gesamtjahr erreicht der Bodensee zumeist in den Monaten Februar oder März. So wurde am 09. Februar der bisher für das Gesamtjahr 2026 niedrigste Wasserstand von 276 cm gemessen. Bezogen auf den gesamten Auswertezeitraum seit 1850 wurde der niedrigste Seewasserstand von 226 cm über mehrere Tage Ende Februar/Anfang März im Frühjahr 1858 gemessen.
Die Vorhersagen zeigen für die nächsten Tage zunächst einen weiteren Rückgang des Wasserstandes.
Entsprechend dem natürlichen Jahresgang ist in den kommenden Wochen tendenziell mit einem Rückgang der Seewasserstände zu rechnen. Ursache dafür ist, dass die Beiträge aus der Schneeschmelze in den alpinen Zuflüssen nur mehr sehr gering sind. Hinzu kommt, dass an einem heißen Sommertag die Verdunstung aus dem Bodensee durchaus auf bis zu 30 m³/s steigen kann.
In den letzten Wochen ist es im Einzugsgebiet des Bodensees sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees führt außergewöhnlich weniger Wasser: am 11. August führte der Alpenrhein im Tagesmittel am Pegel Diepoldsau nur 75 m³/s anstatt der für dieses Datum übliche 248 m³/s (Quelle: Bundesamt für Umwelt der Schweiz BAFU).
Oberrhein
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); am Oberrheinpegel Maxau wurde am 11. August im Tagesmittel ein Wasserstand von 305 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 389 m³/s.
Der aktuelle Wasserstand liegt 204 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (509 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem bisherigen Minimalwert für den 11. August von 338 cm im Jahr 2022.
Aktuelle Vorhersagen zeigen weiterhin NW-Stufe 2 in den kommenden Tagen. Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.
Neckar
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 11. August einen mittleren Abfluss von 7,7 m³/s. Laut aktuellen Vorhersagen wird der Wasserstand in den kommenden Tagen auf extrem niedrigem Niveau (Niedrigwasser-Stufe 2) bleiben.
Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.
Donau
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober. Die Vorhersagen zeigen einen weiteren Rückgang in den kommenden Tagen.
Wasserqualität in den Fließgewässern
Wassertemperatur
Die Wassertemperaturen liegen an allen Gütemessstationen in Rhein, Neckar, Donau und Nebenflüssen deutlich über den langjährigen Mittelwerten für diese Jahreszeit. An einzelnen Gütemessstationen im Neckar und in der Radolfzeller Aach wurden gestern (11. August) neue Tagesrekorde für den Kalendertag verzeichnet. Lediglich der Neckar unterhalb von Obrigheim weist aufgrund der früheren Kühlwassereinleitung aus dem ehemaligen Kernkraftwerk bereits in den vergangenen Jahren höhere Wassertemperaturen auf, sodass die aktuellen Wassertemperaturen dort noch deutlich unter den langjährigen Maximalwerten liegen.
Eine signifikante Abkühlung der Wassertemperaturen ist nach den aktuellen Vorhersagen in den kommenden Tagen nicht zu erwarten.
Sauerstoffgehalt
Die Sauerstoffgehalte in Neckar, Rhein und Donau liegen derzeit in einem unkritischen Bereich.
Im Neckar werden an den Messstationen auch in den frühen Morgenstunden keine kritischen Sauerstoffgehalte unterhalb von 4,5 mg/L gemessen.
Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet, da insbesondere nach starken Gewitterregen sauerstoffzehrende Stoffe über Regenwasserentlastungen in Kanalnetze eingetragen werden und schnell fallende Sauerstoffgehalte zur Folge haben.
Grundwasser
Stand Ende Juli zeigen alle Messstellen im LUBW-Berichtsmessnetz „Grundwasserstände und Quellschüttungen“ rückläufige Grundwasserverhältnisse. Davon bewegen sich knapp die Hälfte (48 %) noch im Normalbereich, während sich 52 % bereits auf niedrigem Niveau befinden. Lediglich 7 % der Messstellen zeigen aktuell stabile Verhältnisse an. Aufgrund der aktuellen Wetterlage und Wetterprognose werden Grundwasserstände und Quellschüttungen weiter zurückgehen. Die Anzahl der Messstellen auf niedrigem Niveau wird sich weiter erhöhen. Es ist damit zu rechnen, dass im Laufe des Monats September an zahlreichen Messstellen die bisherigen Niedrigwasser-Rekorde unterschritten werden.
Die nächste Aktualisierung und ausführliche Bewertung der Grundwasserstände und Quellschüttungen erfolgt voraussichtlich Mitte August.
Wasserhaushalt
Bodenfeuchte: Trockenstress für die Pflanzen
Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 14,9% nFK. Das bedeutet Trockenstress für die Pflanzen. Die Vorhersagen zeigen zunehmende Trockenheit in den Böden in den nächsten Tagen. Regional gibt es größere Abweichungen (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte). Damit liegt die Bodenfeuchte deutlich unter dem Mittelwert.
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden, die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.
Klimatische Wasserbilanz: historisches Wasserdefizit
Baden-Württemberg erlebt derzeit ein historisches Wasserdefizit. Anfang August ist die klimatische Wasserbilanz so niedrig wie nie zuvor in den vorliegenden Daten seit 1991.
Das bedeutet: Es ist deutlich mehr Wasser durch Verdunstung verloren gegangen, als durch Regen nachgekommen ist. Im aktuellen hydrologischen Jahr (November bis Oktober) weist der Zeitraum von November bis Juli ein außergewöhnlich großes Minus von -155 mm auf. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel beträgt die Wasserbilanz in diesem Zeitraum +252 mm.
Die klimatische Wasserbilanz beschreibt den Unterschied zwischen dem Wasser, das durch Niederschlag hinzukommt, und dem Wasser, das durch Verdunstung wieder verloren geht. Ist die Bilanz stark negativ, trocknen Böden, Gewässer und Vegetation zunehmend aus.
Datenquelle für Niederschlag und potenzielle Verdunstung: Deutscher Wetterdienst (DWD).
NIZ-Info
Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land. Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.