Lagebericht Oberflächengewässer

Herausgegeben am Montag, 03. August 2026, 14:00 Uhr

Extremes Niedrigwasser im Großteil der Gewässer.

Wassertemperaturen überwiegend deutlich überdurchschnittlich hoch.

Allgemeine Lage

Niedrigwasser im gesamten Land

Die Wasserstände sind größtenteils auf einem extrem niedrigen Niveau und sinken weiter. In Baden-Württemberg melden 55% der NIZ-Pegel extrem niedrige Wasserstände, 34% sehr niedrige Wasserstände und weitere 8% der Pegel niedrige Wasserstände (Vorstufe Niedrigwasser).

Gewitterbedingte Wasserstandsschwankungen: Niedrigwasserlage bleibt bestehen.

In den kommenden Tagen angekündigte Gewitter können zu kurzfristigen Anstiegen der Wasserstände in einigen Gewässern führen. Welche Gewässer konkret von den Niederschlägen betroffen sein werden, hängt von der genauen Zugbahn der Gewitter ab.

Trotz dieser vorübergehenden Anstiege bleibt die allgemeine Niedrigwasserlage unverändert bestehen. Ursache hierfür ist der derzeit sehr geringe Trockenwetterabfluss, der überwiegend aus dem Grundwasser gespeist wird und die anhaltende Trockenheit widerspiegelt.

Die kurzen, intensiven Niederschläge reichen nicht aus, um die Niedrigwassersituation nachhaltig zu entspannen. Aufgrund der hohen Niederschlagsintensität wird die Aufnahmefähigkeit des ausgetrockneten Bodens überschritten. Das Wasser fließt daher größtenteils oberflächlich ab, anstatt im Boden zu versickern.

Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.

Ursache der aktuellen Entwicklung ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut.

Der Juli war laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) mit rund 34 mm Monatsniederschlag in Baden-Württemberg ungewöhnlich trocken (der Mittelwert für Juli liegt bei 91 mm) und vor allem im Bereich der Hohenloher Ebene seien teilweise weniger als 10 mm gefallen. Bereits im Juni fiel mit rund 55 mm nur etwa die Hälfte des üblichen Niederschlags von 107 mm. Seit November 2025 waren mit Ausnahme des Februars alle Monate zu trocken.

Fazit/Ausblick

Im Großteil der Gewässer des Landes sind die Pegel auf extrem niedrigem Niveau. Die Gewitter bringen keine nachhaltige Verbesserung. Daher ist damit zu rechnen, dass die Niedrigwasser-Situation weiter bestehen wird.

Lage in den großen Gewässern

Bodensee

Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 288 cm (Tagesmittel vom 02. August 2026). Er liegt damit 94 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (382 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem historischen Minimalwert für den 02. August von 307 cm im Jahr 1949 (Auswertezeitraum ab 1850).

Den niedrigsten Wasserstand im Gesamtjahr erreicht der Bodensee zumeist in den Monaten Februar oder März. So wurde am 09. Februar der bisher für das Gesamtjahr 2026 niedrigste Wasserstand von 276 cm gemessen. Bezogen auf den gesamten Auswertezeitraum seit 1850 wurde der niedrigste Seewasserstand von 226 cm über mehrere Tage Ende Februar/Anfang März im Frühjahr 1858 gemessen.

Die Vorhersagen zeigen einen weiteren Rückgang des Wasserstandes.

Entsprechend dem natürlichen Jahresgang ist in den kommenden Wochen tendenziell mit einem Rückgang der Seewasserstände zu rechnen. Ursache dafür ist, dass die Beiträge aus der Schneeschmelze in den alpinen Zuflüssen nur mehr sehr gering sind. Hinzu kommt, dass die Böden wegen der hohen Verdunstung im Sommer ein relativ hohes Speichervermögen für Niederschläge besitzen.

In den letzten Wochen ist es im Einzugsgebiet des Bodensees sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees führt außergewöhnlich weniger Wasser: am 30. Juli führte der Alpenrhein im Tagesmittel am Pegel Diepoldsau nur 87 m³/s anstatt der für dieses Datum übliche 247 m³/s.

An einem heißen Sommertag kann die Verdunstung durchaus auf bis zu 30 m³/s steigen. 

Oberrhein

Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); am Oberrheinpegel Maxau wurde am 02. August im Tagesmittel ein Wasserstand von 320 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 429 m³/s.

Der aktuelle Wasserstand liegt 181 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (501 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem bisherigen Minimalwert für den 02. August von 355 cm im Jahr 2022.

Aktuelle Vorhersagen zeigen weiterhin NW-Stufe 2 in den kommenden Tagen. Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.

Neckar

niedrig (Vorstufe Niedrigwasser); der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 02. August einen mittleren Abfluss von 10,4 m³/s.  Laut aktuellen Vorhersagen wird der Wasserstand in der kommenden Woche auf sehr niedrig (Niedrigwasser-Stufe 1) zurückgehen.
Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.

Donau

Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober. Die Vorhersagen zeigen einen weiteren Rückgang in den kommenden Tage.

Wasserqualität in den Fließgewässern

Wassertemperatur

An den Gütemessstationen in Rhein, Neckar, Donau und Nebenflüssen werden derzeit überwiegend deutlich überdurchschnittliche Wassertemperaturen für Anfang August gemessen. In den vergangenen Tagen wurden an einzelnen Gütemessstationen in der Donau, im Neckar, in der Radolfzeller Aach sowie in der Murr neue Tagesrekorde verzeichnet.

Für die kommenden Tage werden zunächst weiterhin steigende Wassertemperaturen erwartet. Ab der zweiten Wochenhälfte ist mit einer Abkühlung zu rechnen.

Sauerstoffgehalt

Die Sauerstoffgehalte in Neckar, Rhein und Donau liegen derzeit in einem zufriedenstellenden Bereich.

Im Neckar werden an den Messstationen auch in den frühen Morgenstunden keine kritischen Sauerstoffgehalte unterhalb von 4,5 mg/L gemessen.

Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet, da insbesondere nach starken Gewitterregen sauerstoffzehrende Stoffe über Regenwasserentlastungen in Kanalnetze eingetragen werden und schnell fallende Sauerstoffwerte zur Folge haben.

Grundwasser

Mitte Juli zeigt die Mehrheit der Messstellen (84 %) rückläufige Grundwasserverhältnisse an: davon bewegen sich etwa 47 % noch im Normalbereich, während sich 37 % bereits auf niedrigem Niveau befinden. Lediglich 13 % der Messstellen zeigen aktuell stabile Verhältnisse an, 10 % davon liegen im Normalbereich und 3 % auf niedrigem Niveau (3 % sind als "unbestimmt" klassifiziert).

Grundwasserstände und Quellschüttungen werden in den kommenden Tagen weiter zurückgehen.

Die nächste Aktualisierung und ausführliche Bewertung der Grundwasserstände und Quellschüttungen erfolgt voraussichtlich am 04.08.2026.

Die Anzahl der Messstellen auf niedrigem Niveau wird sich erhöhen.

Wasserhaushalt

Bodenfeuchte

Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 18,8 % nFK. Das bedeutet Trockenstress für die Pflanzen. Die Vorhersagen zeigen weiterhin Werte unter 20 % in den nächsten Tagen. Regional gibt es größere Abweichungen (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte). Damit liegt die Bodenfeuchte deutlich unter dem Mittelwert.
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden, die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.

Klimatische Wasserbilanz

Die aktuelle klimatische Wasserbilanz in Baden-Württemberg ist Anfang Juli so niedrig wie noch nie zuvor gemessen (seit 1991). Sie liegt im aktuellen hydrologischen Jahr (Nov.-Okt.) bei -28 mm im Bilanzierungszeitraum November bis Juni.  Eine negative Bilanz zu dieser Jahreszeit wurde bisher noch nicht beobachtet. Die durchschnittliche Bilanz für diesen Zeitraum liegt bei 252 mm (Datenquelle für Niederschlag und potentielle Verdunstung: DWD).

Die klimatische Wasserbilanz stellt eine quantitative Gegenüberstellung von Wassergewinn (Niederschlag) und Wasserverlust (potentielle Verdunstung) in einem bestimmten Gebiet für einen festgelegten Zeitraum dar.

NIZ-Info

Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land. Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.

Der Lagebericht wird voraussichtlich am Mittwoch, den 05.08.2026 aktualisiert. In landesweiten Niedrigwassersituationen wird der Lagebericht jeweils Montag, Mittwoch und Freitag aktualisiert.