NIZ-Lagebericht Gewässer
NIZ-Lagebericht Gewässer
Herausgabe: Mittwoch, 30. September 2026, 14:30 Uhr
Nächste Aktualisierung: mittwochs gegen 14:30 Uhr (oder bei relevanten Lageänderungen)
Für aktuelle Messwerte nutzen Sie bitte diese Direktlinks:
Abfluss und Wasserstand | Güteparameter | Grundwasser
Allgemeine Lage
Extremes Niedrigwasser im gesamten Land.
Überdurchschnittliche Wassertemperaturen in den Flüssen des Landes.
In Baden-Württemberg wird derzeit an nahezu allen NIZ-Pegeln (91%) extremes Niedrigwasser gemessen. 8% der Pegel melden sehr niedrige Wasserstände.
Niedrigwasser bleibt: keine langfristige Entspannung in Sicht.
Für Donnerstag und Sonntag werden Niederschläge vorhergesagt. Danach folgen wieder trockene Tage. Zudem zeigt die Witterungsprognose des DWD eine eher trockene erste Oktoberhälfte. Folglich werden die Wasserstände in einigen Gewässern kurz ansteigen dann aber wieder zurückgehen.
Der Grund: Die Pegelstände sinken an trockenen Tagen schnell auf den grundwassergespeisten Abfluss ab (Basisabfluss). Dieser Basisabfluss ist derzeit sehr gering. Eine wesentliche Verbesserung der Situation ist erst bei deutlich erhöhtem und anhaltendem Niederschlag zu erwarten. Da das Grundwasser hauptsächlich durch Herbst- und Winterniederschläge neugebildet wird, ist unter normalen Verhältnissen erst im Winter mit einer Entspannung der Trockensituation zu rechnen.
Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.
Ursache der aktuellen Niedrigwasserlage ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut.
Landesweit fielen nach vorläufigen Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes im September nur etwa 19 mm. Das entspricht rund 27 Prozent der für einen September durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 70 mm. Damit dürfte der September 2026 in Baden-Württemberg zu den fünf trockensten Septembermonaten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 zählen.
Bereits der August war mit rund 63 mm Monatsniederschlag in Baden-Württemberg ungewöhnlich trocken (der Mittelwert für August liegt bei 94 mm). Seit November 2025 waren mit Ausnahme des Februars alle Monate zu trocken.
Fazit/Ausblick
Die extreme Niedrigwasserlage bleibt bestehen. Ursache ist die seit mehreren Monaten anhaltende Trockenheit, die sich im Laufe des außergewöhnlich trockenen Septembers nochmals deutlich verschärf hat. Eine nachhaltige Entspannung ist derzeit nicht in Sicht.
Lage in den großen Gewässern
Bodensee
Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 252 cm (Tagesmittel vom 29. September 2026). Er liegt damit 90 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (342 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem historischen Minimalwert für den 29. September von 263 cm im Jahr 2003 (Auswertezeitraum ab 1850).
Den niedrigsten Wasserstand im Gesamtjahr erreicht der Bodensee zumeist in den Monaten Februar oder März. Die diesjährige Trockenheit führt jedoch zu der außergewöhnlichen Situation, dass der Bodenseewasserstand derzeit niedriger ist als im Frühjahr. Bezogen auf den gesamten Auswertezeitraum seit 1850 wurde der niedrigste Seewasserstand von 226 cm über mehrere Tage Ende Februar/Anfang März im Frühjahr 1858 gemessen.
Laut den Vorhersagen bleibt der Wasserstand in den nächsten Tagen konstant.
Entsprechend dem natürlichen Jahresgang ist in den kommenden Wochen tendenziell mit einem Rückgang des Seewasserstandes zu rechnen. Ursache dafür ist, dass die Beiträge aus der Schneeschmelze in den alpinen Zuflüssen nur mehr sehr gering sind.
In den letzten Wochen und Monaten ist es im Einzugsgebiet des Bodensees sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees führt außergewöhnlich weniger Wasser.
Oberrhein
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); am Oberrheinpegel Maxau wurde am 29. September im Tagesmittel ein Wasserstand von 280 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 329 m³/s.
Der aktuelle Wasserstand liegt 174 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (454 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand ist neuer Minimalwert des Jahres 2026.
Die aktuelle Vorhersage zeigt weiterhin NW-Stufe 2 in den kommenden Tagen. Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.
Neckar
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 29. September einen mittleren Abfluss von 6,28 m³/s. Nach aktuellen Vorhersagen wird der Wasserstand in den kommenden Tagen leicht ansteigen, dann aber wieder auf ein extrem niedriges Niveau zurückgehen (NW-Stufe 2).
Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.
Donau
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober. Die aktuellen Vorhersagen zeigen weiterhin extrem niedrige Wasserstände in den kommenden Tagen.
Wasserqualität in den Fließgewässern
Wassertemperatur
Die Wassertemperaturen in den Flüssen des Landes sind in den vergangenen Tagen infolge der erneuten Wärmephase angestiegen. Im Rhein liegen die Wassertemperaturen derzeit deutlich über den langjährigen Vergleichswerten für die Jahreszeit. An den Messstationen Iffezheim, Weil und Rheinfelden wurden gestern (29.09.) neue Tagesrekorde für den Kalendertag erreicht. In der Donau und in den Nebenflüssen des Neckars liegen die Wassertemperaturen ebenfalls im deutlich überdurchschnittlichen Bereich. Im Neckar selbst befinden sie sich überwiegend leicht über dem langjährigen Niveau.
Laut den aktuellen Vorhersagen werden zunächst bis Samstag (03.10.) leicht steigende Wassertemperaturen erwartet. Ab Sonntag (04.10.) ist mit einem Rückgang der Wassertemperaturen zu rechnen.
Sauerstoffgehalt
Die Sauerstoffgehalte in Neckar, Rhein und Donau liegen derzeit in einem unkritischen Bereich.
Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet, da insbesondere nach starken Gewitterregen sauerstoffzehrende Stoffe über Regenwasserentlastungen in Kanalnetze eingetragen werden und schnell fallende Sauerstoffgehalte zur Folge haben.
Grundwasser
Die zweite Septemberhälfte war ebenfalls von trockenen Wetterlagen geprägt. Daher haben sich die bis Mitte September beobachteten rückläufigen Entwicklungen im Grundwasser weiter fortgesetzt: Grundwasserstände sind gesunken, Quellschüttungen haben nachgelassen und weitere Messstellen sind auf ein niedriges Niveau gefallen.
Die nächste Aktualisierung der Messwerte erfolgt Anfang Oktober.
Der Deutsche Wetterdienst (Stand 29.09.) kündigt für Donnerstag von Westen her Regen und einzelne Gewitter (Starkregen möglich) an, gefolgt von örtlichen Schauern am Wochenende. Insgesamt ist aber davon auszugehen, dass die prognostizierten Niederschläge keine Entspannung im Grundwasser mit sich bringen.
Die letzte Aktualisierung der Grundwasserstände und Quellschüttungen ist am Donnerstag, den 17.09.2026, erfolgt und repräsentiert überwiegend die Grundwasserverhältnisse Mitte September (Zeitpunkt letzter Messwert kann zwischen Messstellen variieren).
Lage Mitte September:
Der Anteil an Grundwassermessstellen (59 von 70) mit rückläufiger Tendenz hat sich im Vergleich zu Ende August nicht wesentlich verändert (86% → 84%). Ebenso der Anteil an Messstellen (10 von 70) mit derzeit stabilen Verhältnissen (13% → 14%).
Die Auswirkung der anhaltenden Trockenheit hat jedoch zur Folge, dass 7% der Mess-stellen (5 von 70), die sich Ende August noch im unteren Normalbereich bewegt haben, mittlerweile auf ein niedriges Niveau gefallen sind (siehe Tabelle 1). Damit setzt sich die Niedrigwasserlage 2026 im Grundwasser weiterhin fort.
Den Monatsbericht im LUBW-Fachprodukt Grundwasserstände und Quellschüttungen zu den Grundwasserverhältnissen August 2026 finden Sie hier.
Wasserhaushalt
Bodenfeuchte: Trockenstress für die Pflanzen
Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel rund 16% nFK. Das bedeutet Trockenstress für die Pflanzen. Die Vorhersagen zeigen weiterhin Werte deutlich unter 30 % nFK (Trockenstress für die Vegetation). Regional gibt es größere Abweichungen der Bodenfeuchte (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte). Damit liegt die Bodenfeuchte deutlich unter dem Mittelwert.
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden (bis ca. 1,8 m Tiefe), die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.
Klimatische Wasserbilanz: historisches Wasserdefizit
Baden-Württemberg erlebt derzeit ein historisches Wasserdefizit. Anfang September ist die klimatische Wasserbilanz so niedrig wie nie zuvor in den vorliegenden Daten seit 1991.
Das bedeutet: Es ist deutlich mehr Wasser durch Verdunstung verloren gegangen, als durch Regen nachgekommen ist. Im aktuellen hydrologischen Jahr (November bis Oktober) weist der Zeitraum von November bis August ein außergewöhnlich großes Minus von -225 mm auf. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel beträgt die Wasserbilanz in diesem Zeitraum +252 mm.
Die klimatische Wasserbilanz beschreibt den Unterschied zwischen dem Wasser, das durch Niederschlag hinzukommt, und dem Wasser, das durch Verdunstung wieder verloren geht. Ist die Bilanz stark negativ, trocknen Böden, Gewässer und Vegetation zunehmend aus.
Datenquelle für Niederschlag und potenzielle Verdunstung: Deutscher Wetterdienst (DWD).
NIZ-Info
Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land.
Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.