Lagebericht Oberflächengewässer
Lagebericht Oberflächengewässer
Herausgegeben am Sonntag, 31. Mai 2026, 21:00 Uhr
Sehr niedrige Wasserstände im Südosten des Landes.
Allgemeine Lage
Abfluss: In Baden-Württemberg melden 22 % der NIZ-Pegel sehr niedrige Wasserstände. 11 % der Pegel melden extrem niedrige Wasserstände. Der Schwerpunkt der niedrigen Wasserstände liegt im Süd-Osten des Landes.
Aktuelle Vorhersagen zeigen in den kommenden Tagen aufgrund von Niederschlägen zumindest vorrübergehend eine Erholung der Wasserstände.
Niederschlag: Laut DWD blieb der Niederschlag in Baden-Württemberg im Mai mit rund 63 mm deutlich unter dem klimatologischen Soll von 96 mm; das entsprach nur etwa zwei Drittel der üblichen Menge. Insbesondere im Süd-Osten war es in den letzten Monaten sehr trocken, was sich in der Abflusssituation widerspiegelt. Im aktuellen hydrologischen Jahr (1.11. - 31.10.) gab es bis Ende April nur 305 mm Niederschlag (Mittelwert: 431 mm, Bezugszeitraum 1991 - 2020).
Lage in den großen Gewässern
Bodensee: Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 312 cm (Tagesmittel vom 30. Mai 2026). Er liegt damit 66 cm unter dem Durchschnitt für diesen Tag im Jahr (378 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit unter den erwarteten Werten.
Dieser Pegelstand wurde an einem 30. Mai zuletzt im Jahr 1976 unterschritten.
Die Vorhersagen zeigen einen steigenden Wasserstand im Bodensee.
Typischerweise erwartet man zu dieser Jahreszeit einen ansteigenden Wasserstand. Da die Schneegrenze in den Alpen zu dieser Jahreszeit ansteigt, werden die Niederschläge in diesem Gebiet wieder abflusswirksam. Hinzu kommt die allmähliche Schneeschmelze im Gebirge.
Allerdings ist es in den letzten Wochen sehr trocken gewesen. Zudem fällt die Schneeschmelze gering aus, da vor allem in den tieferen Lagen der Alpen weniger Schnee liegt als für diese Jahreszeit üblich. Beides führt dazu, dass der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees deutlich weniger Wasser führt als üblich.
Oberrhein: Moderat niedrig; am Oberrheinpegel Maxau wurde am 30. Mai im Tagesmittel ein Wasserstand von 410 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 742 m³/s.
Aktuelle Vorhersagen zeigen einen leicht steigenden und moderat niedrigen Wasserstand in den nächsten zehn Tagen.
Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.
Neckar: Moderat niedrig; der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 30. Mai einen mittleren Abfluss von 13,9 m³/s. Laut Vorhersagen wird es in den kommenden zehn Tagen kein Niedrigwasser im Neckar geben. Die Wahrscheinlichkeit eines Niedrigwassers der Stufe 1 (sehr niedrig) in den kommenden 30 Tagen liegt unter 2,5 %.
Donau: sehr niedrig (Niedrigwasser Stufe 1); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau. Dort wurde am 30. Mai im Tagesmittel ein Abfluss von 5,67 m³/s gemessen. Der mittlere Abfluss beträgt dort 26,6 m³/s. Die aktuellen Vorhersagen zeigen für die baden-württembergische Donau weiterhin sehr niedrige Wasserstände in den kommenen 10 Tagen.
Wassertemperaturen in den Fließgewässern
Die Wassertemperaturen in den Rhein, Neckar und Donau sind weiter extrem hoch für Anfang Juni. Die Gütemessstationen an Rhein, Donau und im Neckar unterhalb von Stuttgart verzeichneten gestern nach wie vor neue Rekordwerte. Seit Bestehen der Stationen war das Wasser dort an einem 2. Juni nie wärmer. In den kleineren Flüssen hat der Wetterumschwung bereits für einen deutlichen Rückgang der Wassertemperaturen gesorgt.
In den nächsten Tagen werden die Wassertemperaturen aufgrund der kühleren Witterung weiter deutlich absinken und auch die Situation an Rhein, Neckar und Donau etwas normalisieren.
Wasserhaushalt
Bodenfeuchte: Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 46 % nFK. Damit beginnt für die Pflanzen Trockenstress. Regional gibt es aber größere Abweichungen (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte).
Klimatische Wasserbilanz: Die klimatische Wasserbilanz stellt eine quantitative Gegenüberstellung von Wassergewinn (Niederschlag) und Wasserverlust (potentielle Verdunstung) in einem bestimmten Gebiet für einen festgelegten Zeitraum dar.
Mit einer klimatischen Wasserbilanz von rund 119 mm von November bis April liegt das aktuelle hydrologische Jahr deutlich unter dem Durchschnitt von 277 mm für diese Monate. Im Bezugszeitraum 1991-2026 war die Bilanz bis Ende April noch nie so niedrig (Datenquelle für Niederschlag und potentielle Verdunstung: DWD).
NIZ-Info
Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land. Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.
Der Lagebericht wird voraussichtlich am Freitag, den 05.06.2026 aktualisiert. In Niedrigwassersituationen wird der Lagebericht jeweils Montag, Mittwoch und Freitag aktualisiert.