Lagebericht Oberflächengewässer
Lagebericht Oberflächengewässer
Herausgegeben am Freitag, 31. Juli 2026, 14:00 Uhr
Extremes Niedrigwasser im Großteil der Gewässer.
Wassertemperaturen überwiegend deutlich überdurchschnittlich hoch.
Allgemeine Lage
Niedrigwasser im gesamten Land
Die Wasserstände sind größtenteils auf einem extrem niedrigen Niveau und sinken weiter. In Baden-Württemberg melden 72% der NIZ-Pegel extrem niedrige Wasserstände, 24% sehr niedrige Wasserstände und weitere 3% der Pegel niedrige Wasserstände (Vorstufe Niedrigwasser).
Wenig Niederschlag in Sicht: Rückgang auf niedriges Niveau
Bis Montag gibt es örtlich Gewitter. Danach ist es dann wieder trocken. Auch die Witterungsprognosen des DWD zeigen eine trockene Tendenz der Witterung im August.
Kurzfristige, starke Niederschläge, wie sie bei Gewittern auftreten, fließen überwiegend oberflächlich ab und führen zu einem kurzfristigen Anstieg der Wasserstände. Der Boden kann nur einen kleinen Teil des Niederschlags aufnehmen, da die Intensität des Niederschlags die Aufnahmefähigkeit des Bodens übersteigt. Daher werden nach den Gewittern am Wochenende die Wasserstände weiter zurückgehen.
Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.
Ursache der aktuellen Entwicklung ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut.
Der Juli war laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) mit rund 34 mm Monatsniederschlag in Baden-Württemberg ungewöhnlich trocken (der Mittelwert für Juli liegt bei 91 mm) und vor allem im Bereich der Hohenloher Ebene seien teilweise weniger als 10 mm gefallen. Bereits im Juni fiel mit rund 55 mm nur etwa die Hälfte des üblichen Niederschlags von 107 mm. Seit November 2025 waren mit Ausnahme des Februars alle Monate zu trocken.
Fazit/Ausblick
Im Großteil der Gewässer des Landes sind die Pegel auf extrem niedrigem Niveau. Die Gewitter am Wochenende bringen keine nachhaltige Verbesserung. Daher ist damit zu rechnen, dass sich die Situation in der ersten Augustwoche weiter verschärfen wird.
Lage in den großen Gewässern
Bodensee
Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 291 cm (Tagesmittel vom 30. Juli 2026). Er liegt damit 96 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (387 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem historischen Minimalwert für den 28. Juli von 313 cm im Jahr 2006 (Auswertezeitraum ab 1850).
Den niedrigsten Wasserstand im Gesamtjahr erreicht der Bodensee zumeist in den Monaten Februar oder März. So wurde am 09. Februar der bisher für das Gesamtjahr 2026 niedrigste Wasserstand von 276 cm gemessen. Bezogen auf den gesamten Auswertezeitraum seit 1850 wurde der niedrigste Seewasserstand von 226 cm über mehrere Tage Ende Februar/Anfang März im Frühjahr 1858 gemessen.
Die Vorhersagen zeigen einen weiteren Rückgang des Wasserstandes.
Entsprechend dem natürlichen Jahresgang ist in den kommenden Wochen tendenziell mit einem Rückgang der Seewasserstände zu rechnen. Ursache dafür ist, dass die Beiträge aus der Schneeschmelze in den alpinen Zuflüssen nur mehr sehr gering sind. Hinzu kommt, dass die Böden wegen der hohen Verdunstung im Sommer ein relativ hohes Speichervermögen für Niederschläge besitzen.
In den letzten Wochen ist es im Einzugsgebiet des Bodensees sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees führt außergewöhnlich weniger Wasser: am 30. Juli führte der Alpenrhein im Tagesmittel am Pegel Diepoldsau nur 84 m³/s anstatt der für dieses Datum übliche 260 m³/s.
Oberrhein
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); am Oberrheinpegel Maxau wurde am 30. Juli im Tagesmittel ein Wasserstand von 326 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 445 m³/s.
Der aktuelle Wasserstand liegt 190 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (516 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem bisherigen Minimalwert für den 30. Juli von 369 cm im Jahr 2022.
Aktuelle Vorhersagen zeigen weiterhin NW-Stufe 2 in den kommenden Tagen. Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.
Neckar
Sehr niedrig (Niedrigwasser-Stufe 1); der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 30. Juli einen mittleren Abfluss von 8,71 m³/s. Laut aktuellen Vorhersagen wird der Wasserstand in der kommenden Woche auf extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2) zurückgehen.
Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.
Donau
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober. Die Vorhersagen zeigen einen weiteren Rückgang in den kommenden Tage.
Wasserqualität in den Fließgewässern
Wassertemperatur
An den Gütemessstationen in Rhein, Neckar, Donau und Nebenflüssen werden derzeit überwiegend deutlich überdurchschnittliche Wassertemperaturen für Ende Juli gemessen.
Für die kommenden Tage ist aufgrund der gegenwärtigen Hitzewelle mit einer deutlichen Zunahme der Wassertemperaturen in den Flüssen des Landes zu rechnen.
Sauerstoffgehalt
Die Sauerstoffgehalte in Neckar, Rhein und Donau liegen derzeit in einem zufriedenstellenden Bereich.
Im Neckar werden an den Messstationen auch in den frühen Morgenstunden keine kritischen Sauerstoffgehalte unterhalb von 4,5 mg/L gemessen.
Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet, da insbesondere nach starken Gewitterregen sauerstoffzehrende Stoffe über Regenwasserentlastungen in Kanalnetze eingetragen werden und schnell fallende Sauerstoffwerte zur Folge haben.
Grundwasser
Mitte Juli zeigt die Mehrheit der Messstellen (84 %) rückläufige Grundwasserverhältnisse an: davon bewegen sich etwa 47 % noch im Normalbereich, während sich 37 % bereits auf niedrigem Niveau befinden. Lediglich 13 % der Messstellen zeigen aktuell stabile Verhältnisse an, 10 % davon liegen im Normalbereich und 3 % auf niedrigem Niveau (3 % sind als "unbestimmt" klassifiziert).
Grundwasserstände und Quellschüttungen werden in den kommenden Tagen weiter zurückgehen.
Die nächste Aktualisierung und ausführliche Bewertung der Grundwasserstände und Quellschüttungen erfolgt voraussichtlich am 04.08.2026.
Die Anzahl der Messstellen auf niedrigem Niveau wird sich erhöhen.
Wasserhaushalt
Bodenfeuchte
Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 16,9 % nFK. Das bedeutet Trockenstress für die Pflanzen. Die Vorhersagen zeigen weiterhin Werte unter 20 % in den nächsten Tagen. Regional gibt es größere Abweichungen (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte). Damit liegt die Bodenfeuchte deutlich unter dem Mittelwert.
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden, die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.
Klimatische Wasserbilanz
Die aktuelle klimatische Wasserbilanz in Baden-Württemberg ist Anfang Juli so niedrig wie noch nie zuvor gemessen (seit 1991). Sie liegt im aktuellen hydrologischen Jahr (Nov.-Okt.) bei -28 mm im Bilanzierungszeitraum November bis Juni. Eine negative Bilanz zu dieser Jahreszeit wurde bisher noch nicht beobachtet. Die durchschnittliche Bilanz für diesen Zeitraum liegt bei 252 mm (Datenquelle für Niederschlag und potentielle Verdunstung: DWD).
Die klimatische Wasserbilanz stellt eine quantitative Gegenüberstellung von Wassergewinn (Niederschlag) und Wasserverlust (potentielle Verdunstung) in einem bestimmten Gebiet für einen festgelegten Zeitraum dar.
NIZ-Info
Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land. Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.
Der Lagebericht wird voraussichtlich am Montag, den 03.08.2026 aktualisiert. In landesweiten Niedrigwassersituationen wird der Lagebericht jeweils Montag, Mittwoch und Freitag aktualisiert.