NIZ-Lagebericht Gewässer

Herausabe: Mittwoch, 26. August 2026, 14:30 Uhr
Nächste Aktualisierung: mittwochs gegen 14:30 Uhr (oder bei relevanten Lageänderungen)

Für aktuelle Messwerte nutzen Sie bitte diese Direktlinks: 
Abfluss und Wasserstand | Güteparameter | Grundwasser

Allgemeine Lage

Extremes Niedrigwasser im gesamten Land.
Wassertemperaturen überwiegend im Bereich der langjährigen Mittelwerte.​​​​​

Die Wasserstände sind größtenteils auf einem extrem niedrigen Niveau. In Baden-Württemberg melden 51% der NIZ-Pegel extrem niedrige Wasserstände, 33% sehr niedrige Wasserstände und weitere 9% der NIZ-Pegel niedrige Wasserstände (Vorstufe Niedrigwasser). An 6% der NIZ-Pegel sind die Wasserstände derzeit moderat niedrig.

Niedrigwasser bleibt: Vereinzelt kurzzeitige Pegelanstiege, keine langfristige Entspannung.

Nach aktuellen Vorhersagen führen Niederschläge in den kommenden Tagen zu kurzfristig ansteigenden Pegelständen. Da die Gewässer in trockenen Phasen jedoch überwiegend aus dem Grundwasser gespeist werden, sinken die Pegel an niederschlagsfreien Tagen schnell wieder auf ihr zuvor niedriges Niveau ab. Eine wesentliche Verbesserung der Situation ist erst bei deutlich erhöhtem und anhaltendem Niederschlag zu erwarten.

Da das Grundwasser hauptsächlich durch Herbst- und Winterniederschläge neugebildet wird, ist unter normalen Verhältnissen erst im Winter mit einer Entspannung der Trockensituation zu rechnen.

Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.

Ursache der aktuellen Niedrigwasserlage ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut.

Im August hat es bisher im Landesdurchschnitt nur rund 46 mm geregnet. Die durchschnittlichen 95 mm für den gesamten August werden in den verbleibenden Augusttagen voraussichtlich nicht mehr erreicht werden. Bereits der Juli war mit rund 40 mm Monatsniederschlag in Baden-Württemberg ungewöhnlich trocken (der Mittelwert für Juli liegt bei 91 mm). Seit November 2025 waren mit Ausnahme des Februars alle Monate zu trocken.

Fazit/Ausblick

Im Großteil der Gewässer des Landes sind die Wasserstände auf einem extrem niedrigen Niveau. Ursache ist die seit mehreren Monaten anhaltende Trockenheit. Trotz gefallener und angekündigter Niederschläge ist eine nachhaltige Entspannung derzeit nicht in Sicht.

Lage in den großen Gewässern

Bodensee

Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 277 cm (Tagesmittel vom 25. August 2026). Er liegt damit 86 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (363 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem historischen Minimalwert für den 25. August von 283 cm im Jahr 2003 (Auswertezeitraum ab 1850).

Den niedrigsten Wasserstand im Gesamtjahr erreicht der Bodensee zumeist in den Monaten Februar oder März. Die diesjährige Niedrigwasserlage führt jedoch zu der außergewöhnlichen Situation, dass der Bodensee am 13.08.2026 den bisherigen Tiefstwert aus 2026 von 276 cm vom 09. Februar unterschritten hat. Bezogen auf den gesamten Auswertezeitraum seit 1850 wurde der niedrigste Seewasserstand von 226 cm über mehrere Tage Ende Februar/Anfang März im Frühjahr 1858 gemessen.

Entsprechend den Vorhersagen bleibt der Wasserstand des Bodensees in den nächsten Tagen konstant. Zum Wochenende ist niederschlagsbedingt mit einem leichten Anstieg des Wasserstands zu rechnen.

Entsprechend dem natürlichen Jahresgang ist in den kommenden Wochen tendenziell mit einem Rückgang der Seewasserstände zu rechnen. Ursache dafür ist, dass die Beiträge aus der Schneeschmelze in den alpinen Zuflüssen nur mehr sehr gering sind. Hinzu kommt, dass an einem heißen Sommertag die Verdunstung aus dem Bodensee durchaus auf bis zu 30 m³/s steigen kann. 

In den letzten Wochen ist es im Einzugsgebiet des Bodensees sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees führt außergewöhnlich weniger Wasser: am 18. August führte der Alpenrhein im Tagesmittel am Pegel Diepoldsau nur 101 m³/s anstatt der für dieses Datum übliche 231 m³/s (Quelle: Bundesamt für Umwelt der Schweiz BAFU). 

Oberrhein

Sehr niedrig (Niedrigwasser-Stufe 1); am Oberrheinpegel Maxau wurde am 25. August im Tagesmittel ein Wasserstand von 368 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 583 m³/s.

Der aktuelle Wasserstand liegt 116 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (484 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt über dem bisherigen Minimalwert für den 25. August von 366 cm im Jahr 2003.

Aktuelle Vorhersagen zeigen weiterhin NW-Stufe 2 in den kommenden Tagen. Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.

Neckar

Sehr niedrig (Niedrigwasser-Stufe 1); der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 25. August einen mittleren Abfluss von 8,91 m³/s.  Nach aktuellen Vorhersagen wird der Wasserstand in den kommenden Tagen leicht ansteigen.

Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.

Donau

Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober. Die aktuellen Vorhersagen zeigen zum Wochenende vorübergehend einen geringfügigen Anstieg am Pegel.

Wasserqualität in den Fließgewässern

Wassertemperatur

Die Wassertemperaturen sind in den vergangenen Tagen deutlich zurückgegangen und liegen an den Gütemessstationen in Rhein, Neckar, Donau und Nebenflüssen derzeit überwiegend im Bereich der langjährigen Mittelwerte für diese Jahreszeit. In der Radolfzeller Aach liegen die Wassertemperaturen hingegen weiterhin deutlich über den langjährigen Mittelwerten.

Für die kommenden Tage ist laut den aktuellen Vorhersagen zunächst bis Freitag (28.08.) mit einem leichten Anstieg der Wassertemperaturen zu rechnen. Ab dem Wochenende (29./30.08.) wird wieder ein leichter Rückgang erwartet.

Sauerstoffgehalt

Die Sauerstoffgehalte in Neckar, Rhein und Donau liegen derzeit in einem unkritischen Bereich.

Im Neckar werden an den Messstationen aktuell auch in den frühen Morgenstunden keine kritischen Sauerstoffgehalte unterhalb von 4,5 mg/L gemessen.

Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet, da insbesondere nach starken Gewitterregen sauerstoffzehrende Stoffe über Regenwasserentlastungen in Kanalnetze eingetragen werden und schnell fallende Sauerstoffgehalte zur Folge haben.

Grundwasser

Die Grundwasserstände und Quellschüttungen wurden am Dienstag den 18.08.2026 aktualisiert und repräsentieren überwiegend die Grundwasserverhältnisse Mitte August (Zeitpunkt letzter Messwert variiert zwischen Messstellen).

Mitte August verzeichnen 91 % der Messstellen rückläufige Tendenzen, wovon sich 54 % noch im Normalbereich, 46 % bereits auf niedrigem Niveau befinden. Die bisherigen Niederschläge könnten bei einigen Messstellen die scheller auf das Wettergeschehen reagieren oder in Wechselwirkung mit Oberflächengewässern stehen zu einer leichten Dämpfung der rückläufigen Tendenz geführt haben. Wechselhaftes Wetter in den kommenden Tagen, mit weniger Niederschlägen und stabileren Aussichten, wird aber voraussichtlich keine signifikante Entspannung herbeiführen.

Die nächste Aktualisierung und ausführliche Bewertung der Grundwasserstände und Quellschüttungen ist Anfang September geplant.

Wasserhaushalt

Bodenfeuchte: Trockenstress für die Pflanzen

Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 26% nFK. Das bedeutet Trockenstress für die Pflanzen. Die Vorhersagen zeigen relativ gleichbleibende Verhältnisse in den Böden für die nächsten Tage. Regional gibt es größere Abweichungen der Bodenfeuchte (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte). Damit liegt die Bodenfeuchte deutlich unter dem Mittelwert.
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden, die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.

Klimatische Wasserbilanz: historisches Wasserdefizit

Baden-Württemberg erlebt derzeit ein historisches Wasserdefizit. Anfang August ist die klimatische Wasserbilanz so niedrig wie nie zuvor in den vorliegenden Daten seit 1991.

Das bedeutet: Es ist deutlich mehr Wasser durch Verdunstung verloren gegangen, als durch Regen nachgekommen ist. Im aktuellen hydrologischen Jahr (November bis Oktober) weist der Zeitraum von November bis Juli ein außergewöhnlich großes Minus von -155 mm auf. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel beträgt die Wasserbilanz in diesem Zeitraum +252 mm.

Die klimatische Wasserbilanz beschreibt den Unterschied zwischen dem Wasser, das durch Niederschlag hinzukommt, und dem Wasser, das durch Verdunstung wieder verloren geht. Ist die Bilanz stark negativ, trocknen Böden, Gewässer und Vegetation zunehmend aus.

Datenquelle für Niederschlag und potenzielle Verdunstung: Deutscher Wetterdienst (DWD).

NIZ-Info

Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land.

Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.