NIZ-Lagebericht Gewässer
NIZ-Lagebericht Gewässer
Herausabe: Mittwoch, 09. September 2026, 14:30 Uhr
Nächste Aktualisierung: mittwochs gegen 14:30 Uhr (oder bei relevanten Lageänderungen)
Für aktuelle Messwerte nutzen Sie bitte diese Direktlinks:
Abfluss und Wasserstand | Güteparameter | Grundwasser
Allgemeine Lage
Extremes Niedrigwasser im gesamten Land.
Wassertemperaturen geringfügig oberhalb des Bereichs der langjährigen Mittelwerte.
Die Pegelstände liegen überwiegend auf einem extrem niedrigen Niveau: In Baden-Württemberg melden 75% der NIZ-Pegel extrem niedrige Wasserstände, 22% sehr niedrige Wasserstände und weitere 3% der NIZ-Pegel niedrige Wasserstände (Vorstufe Niedrigwasser).
Niedrigwasser bleibt: keine langfristige Entspannung in Sicht.
Der aktuelle Regen bringt nur einen kurzen Anstieg der Wasserstände. Laut Vorhersagen gibt es in den kommenden Tagen keinen Niederschlag. Zudem wird ein eher trockener September vorhergesagt. Die Pegelstände werden daher nach der kurzen Erholung weiter zurückgehen. Bis zum Wochenende werden wieder am Großteil der Gewässer extrem niedriger Wasserstände erwartet.
Der Grund: Die Pegelstände sinken an trockenen Tagen schnell auf den grundwassergespeisten Abfluss ab (Basisabfluss). Dieser Basisabfluss ist derzeit sehr gering. Eine wesentliche Verbesserung der Situation ist erst bei deutlich erhöhtem und anhaltendem Niederschlag zu erwarten. Da das Grundwasser hauptsächlich durch Herbst- und Winterniederschläge neugebildet wird, ist unter normalen Verhältnissen erst im Winter mit einer Entspannung der Trockensituation zu rechnen.
Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.
Ursache der aktuellen Niedrigwasserlage ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut.
Im August hat es im Landesdurchschnitt nur rund 63 mm geregnet. Das ist deutlich weniger als der typische August-Niederschlag (95 mm). Bereits der Juli war mit rund 40 mm Monatsniederschlag in Baden-Württemberg ungewöhnlich trocken (der Mittelwert für Juli liegt bei 91 mm). Seit November 2025 waren mit Ausnahme des Februars alle Monate zu trocken.
Fazit/Ausblick
Am Großteil der Pegel des Landes sind die Wasserstände auf einem extrem niedrigen Niveau. Ursache ist die seit mehreren Monaten anhaltende Trockenheit. Nach einem kurzen und nur leichten Anstieg der Wasserstände in einigen Gewässern wird sich die Situation in den kommenden Tagen weiter verschärfen. Eine nachhaltige Entspannung im September ist derzeit nicht in Sicht.
Lage in den großen Gewässern
Bodensee
Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 269 cm (Tagesmittel vom 08. September 2026). Er liegt damit 88 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (357 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem historischen Minimalwert für den 08. September von 277 cm im Jahr 2003 (Auswertezeitraum ab 1850).
Den niedrigsten Wasserstand im Gesamtjahr erreicht der Bodensee zumeist in den Monaten Februar oder März. Die diesjährige Trockenheit führt jedoch zu der außergewöhnlichen Situation, dass der Bodenseewasserstand derzeit niedriger ist als im Frühjahr. Bezogen auf den gesamten Auswertezeitraum seit 1850 wurde der niedrigste Seewasserstand von 226 cm über mehrere Tage Ende Februar/Anfang März im Frühjahr 1858 gemessen.
Laut den Vorhersagen geht der Wasserstand des Bodensees nach einem geringfügigen Anstieg in den nächsten Tagen weiter zurück.
Entsprechend dem natürlichen Jahresgang ist in den kommenden Wochen tendenziell mit einem Rückgang der Seewasserstände zu rechnen. Ursache dafür ist, dass die Beiträge aus der Schneeschmelze in den alpinen Zuflüssen nur mehr sehr gering sind.
In den letzten Wochen und Monaten ist es im Einzugsgebiet des Bodensees sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees führt außergewöhnlich weniger Wasser: am 08. September führte der Alpenrhein im Tagesmittel am Pegel Diepoldsau nur 77 m³/s anstatt der für dieses Datum übliche 226 m³/s (Quelle: Bundesamt für Umwelt der Schweiz BAFU).
Oberrhein
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); am Oberrheinpegel Maxau wurde am 08. September im Tagesmittel ein Wasserstand von 308 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 396 m³/s.
Der aktuelle Wasserstand liegt 167 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (475 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem bisherigen Minimalwert für den 08. September von 356 cm im Jahr 1991.
Die aktuelle Vorhersage zeigt weiterhin NW-Stufe 2 in den kommenden Tagen. Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.
Neckar
Sehr niedrig (NQ-Stufe 1); der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 08. September einen mittleren Abfluss von 8,85 m³/s. Nach aktuellen Vorhersagen wird der Wasserstand nach einem kurzen Anstieg bis zum Wochenende wieder auf ein extrem niedriges Niveau sinken (NW-Stufe 2).
Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.
Donau
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober. Die aktuellen Vorhersagen zeigen weiterhin extrem niedrige Wasserstände in den kommenden Tagen.
Wasserqualität in den Fließgewässern
Wassertemperatur
Die Wassertemperaturen sind seit Mitte letzter Woche witterungsbedingt nochmals leicht angestiegen. Aktuell liegen sie an den Gütemessstationen in Rhein, Neckar, Donau und Nebenflüssen am oberen Rand der langjährigen Mittelwerte für diese Jahreszeit oder haben jahreszeitlich sogar nochmals neue Spitzenwerte markiert.
Für die kommenden Tage ist laut den aktuellen Vorhersagen der Übergang in den Herbst zu erwarten und damit auch der Rückgang der Wassertemperaturen mit signifikant fallenden Trendverläufen in den Bereich der langjährigen Mittelwerte.
Sauerstoffgehalt
Die Sauerstoffgehalte in Neckar, Rhein und Donau liegen derzeit in einem unkritischen Bereich mit durchweg guten Werten.
Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet, da insbesondere nach starken Gewitterregen sauerstoffzehrende Stoffe über Regenwasserentlastungen in Kanalnetze eingetragen werden und schnell fallende Sauerstoffgehalte zur Folge haben können.
Grundwasser
Die Grundwasserstände und Quellschüttungen wurden am Mittwoch, den 02.09.2026, aktualisiert und repräsentieren überwiegend die Grundwasserverhältnisse Anfang September (Zeitpunkt letzter Messwert kann zwischen Messstellen variieren).
Der Deutsche Wetterdienst meldet für den Süden Deutschlands in den nächsten Tagen überwiegend niederschlagsfreie Wetterlagen mit vereinzelt auftretenden Schauern (Stand 09.09.2026). Mit einer weiträumigen Entspannung der Lage ist daher vorerst nicht zu rechnen. Der Trend rückläufiger Grundwasserstände und Quellschüttungen dürfte sich dementsprechend weiter fortsetzen.
Die nächste Aktualisierung der Grundwasserstände und Quellschüttungen erfolgt voraussichtlich Mitte September.
| Grundwasserverhältnisse | Tendenz | |||
|---|---|---|---|---|
|
unbestimmt (0) |
niedrig (34) |
mittel (36) |
hoch (0) |
|
|
|
|
1 |
|
unbestimmt (1) |
|
|
32 |
28 |
|
rückläufig (60) |
|
|
2 |
7 |
|
stabil (9) |
| ansteigend (0) | ||||
Durch die vereinzelten Niederschläge der letzten Wochen, hat sich der Anteil an Grundwassermessstellen (60 von 70) mit rückläufiger Tendenz im Vergleich zu Mitte August leicht reduziert (91% → 86%). Hauptgrund dafür ist die leichte Verbesserung der Lage an einigen Messstellen mit Einfluss durch Oberflächengewässer, da diese aufgrund der angestiegenen Pegelstände ins Grundwasser infiltriert haben. An 13% der Messstellen (9 von 70) haben sich stabile Verhältnisse eingestellt.
Betrachtet man die Messstellen mit rückläufiger Tendenz (86%) differenziert und im Vergleich zur Lage Mitte August, hat der Anteil von Messtellen im Normalbereich abgenommen (54% → 47%) und der Anteil auf niedrigem Niveau zugenommen (46% → 53%). Die Niedrigwasserphase setzt sich derzeit mit Ausnahme einiger Bereiche, in denen die Infiltration durch Oberflächengewässer vorübergehend einen stabilisierenden bzw. positiven Einfluss genommen haben, weiter fort.
Den Monatsbericht zu den Grundwasserverhältnissen August 2026 finden Sie hier.
Wasserhaushalt
Bodenfeuchte: Trockenstress für die Pflanzen
Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 25% nFK. Das bedeutet Trockenstress für die Pflanzen. Die Vorhersagen zeigen weiterhin Werte deutlich unter 30 % nFK (Trockenstress für die Vegetation). Regional gibt es größere Abweichungen der Bodenfeuchte (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte). Damit liegt die Bodenfeuchte deutlich unter dem Mittelwert.
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden (bis ca. 1,8 m Tiefe), die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.
Klimatische Wasserbilanz: historisches Wasserdefizit
Baden-Württemberg erlebt derzeit ein historisches Wasserdefizit. Anfang September ist die klimatische Wasserbilanz so niedrig wie nie zuvor in den vorliegenden Daten seit 1991.
Das bedeutet: Es ist deutlich mehr Wasser durch Verdunstung verloren gegangen, als durch Regen nachgekommen ist. Im aktuellen hydrologischen Jahr (November bis Oktober) weist der Zeitraum von November bis August ein außergewöhnlich großes Minus von -225 mm auf. Zum Vergleich: Im langjährigen Mittel beträgt die Wasserbilanz in diesem Zeitraum +252 mm.
Die klimatische Wasserbilanz beschreibt den Unterschied zwischen dem Wasser, das durch Niederschlag hinzukommt, und dem Wasser, das durch Verdunstung wieder verloren geht. Ist die Bilanz stark negativ, trocknen Böden, Gewässer und Vegetation zunehmend aus.
Datenquelle für Niederschlag und potenzielle Verdunstung: Deutscher Wetterdienst (DWD).
NIZ-Info
Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land.
Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.