NIZ-Lagebericht Gewässer

Herausgabe: Mittwoch, 14. Oktober 2026, 14:30 Uhr
Nächste Aktualisierung: mittwochs gegen 14:30 Uhr (oder bei relevanten Lageänderungen)

Für aktuelle Messwerte nutzen Sie bitte diese Direktlinks: 
Abfluss und Wasserstand | Güteparameter | Grundwasser

Allgemeine Lage

Extremes Niedrigwasser im gesamten Land.​​​​​

In Baden-Württemberg wird an fast zwei Drittel aller NIZ-Pegel (63%) extremes Niedrigwasser gemessen. 32% der Pegel melden sehr niedrige Wasserstände.

Kurzfristige Entspannung am Wochenende.

Für das kommende Wochenende werden Niederschläge vorhergesagt. Dadurch kommt vor allem in den Gewässern im Osten und Süden des Landes zu einer kurzfristigen Entspannung der Niedrigwassersituation. In der kommenden Woche ist allerdings wieder mit trockenen Tagen und überwiegend extrem niedrigen Wasserständen zu rechnen.

Für eine wesentliche Verbesserung der Situation reichen die vorhergesagten Niederschläge nicht aus. Da das Grundwasser hauptsächlich durch Herbst- und Winterniederschläge neugebildet wird, ist unter normalen Verhältnissen erst im Winter mit einer Entspannung der Trockensituation zu rechnen.

Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.

Ursache der aktuellen Niedrigwasserlage ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut. 

Im Oktober vielen bisher rund 31 mm Niederschlag im landesweiten Mittel (Stand 14.10.2026). Davor waren es im gesamten September nur etwa 19 mm. Das entspricht rund 27 Prozent der für einen September durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 70 mm. Beim Blick auf die vergangenen 12 Monate liegt insgesamt ein Niederschlagsdefizit von rund 350 mm vor. Das entpricht 27 Prozent der mittleren Jahresniederschlagsmenge im Bezugszeitraum 1991-2020.

Fazit/Ausblick

Regenfälle bringen vor allem in östlichen und südlichen Landesteilen am Wochenende eine kurzfristige Entspannung. In der darauffolgenden Woche sinken die Pegel wieder auf Niedrigwasserniveau. 

Lage in den großen Gewässern

Bodensee

Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 250 cm (Tagesmittel vom 13. Oktober 2026). Er liegt damit 85 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (335 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem historischen Minimalwert für den 13. Oktober von 265 cm im Jahr 1947 (Auswertezeitraum ab 1850).

Bezogen auf den gesamten Auswertezeitraum seit 1850 wurde der niedrigste Seewasserstand von 226 cm über mehrere Tage Ende Februar/Anfang März im Frühjahr 1858 gemessen.

Laut den aktuellen Vorhersagen wird der Wasserstand in den kommenden Tagen um 250 cm schwanken.

Entsprechend dem natürlichen Jahresgang ist in den kommenden Wochen mit einem Rückgang der Seewasserstände zu rechnen. Ursache dafür ist einerseits, dass die Schneefallgrenze bis in die hoch gelegenen Teile des Einzugsgebietes sinken kann und Niederschläge damit zum Teil nicht abflusswirksam werden. Zudem besitzen die Böden in der Regel in Folge der hohen Verdunstung während der Sommermonate ein relativ hohes Speichervermögen. Andererseits sind in den alpinen Zuflüssen die Beiträge aus der Gletscherschmelze nur mehr sehr gering.

In den letzten Wochen und Monaten ist es im Einzugsgebiet des Bodensees sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees führt außergewöhnlich weniger Wasser. 

Oberrhein

Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); am Oberrheinpegel Maxau wurde am 13. Oktober im Tagesmittel ein Wasserstand von 297 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 369 m³/s.

Der aktuelle Wasserstand liegt 167 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (464 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten.

Die aktuelle Vorhersage zeigt weiterhin NW-Stufe 2 in den kommenden Tagen. Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.

Neckar

Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 13. Oktober einen mittleren Abfluss von 7,18 m³/s. 

Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.

Donau

Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober.

Wasserqualität in den Fließgewässern

Wassertemperatur

Die Wassertemperaturen in den Flüssen des Landes sind in den vergangenen Tagen infolge des Wetterumschwungs mit deutlich kühleren Temperaturen gefallen. Im Neckar und Rhein und ihren Nebenflüssen liegen die Wassertemperaturen dennoch - vereinzelt noch deutlich - über den langjährigen Vergleichswerten für die Jahreszeit. In der Donau liegen die Wassertemperaturen leicht im überdurchschnittlichen Bereich.
Laut den aktuellen Vorhersagen ist ab Donnerstag (15. Oktober) mit einem weiteren Rückgang der Wassertemperaturen zu rechnen. 

Sauerstoffgehalt

Die Sauerstoffgehalte in Neckar, Rhein und Donau liegen derzeit in einem unkritischen Bereich.

Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet, da insbesondere bei Starkregenereignissen sauerstoffzehrende Stoffe über Regenwasserentlastungen in Kanalnetze eingetragen werden und schnell fallende Sauerstoffgehalte zur Folge haben.

Grundwasser

Die letzte Aktualisierung der Grundwasserstände und Quellschüttungen ist am Freitag, den 02. Oktober 2026, erfolgt und repräsentiert überwiegend die Grundwasserverhältnisse Ende September (Zeitpunkt letzter Messwert kann zwischen Messstellen variieren).

Tabelle 1: (Letzte Aktualisierung 02. Oktober 2026) Anzahl der Messstellen nach Grundwasserverhältnis und Tendenz für Ende September. Die Zahl innerhalb der eckigen Klammer zeigt die Differenz/Veränderung gegenüber dem Stand der vorletzten Aktualisierung an (17. September 2026).
Grundwasserverhältnisse Tendenz

unbestimmt

0[-1]

niedrig

43 [+4]

mittel

27 [-3]

hoch

 

 
0 [-1]   1 [+1]  

unbestimmt

1

  41 [+7] 24 [-1]  

rückläufig

65 [+6]

  2 [-3] 2 [-3]  

stabil

4 [-6]

        ansteigend

 

Durch vereinzelte Niederschläge in der ersten Septemberhälfte hatten sich an einigen Messstellen, mit Verbindung zu Oberflächengewässern, vorübergehend stabile Verhältnisse eingestellt (14 %) – dieser Anteil ist Ende September auf 6 % zurückgegangen.

Aufgrund der trockenen Verhältnisse in der zweiten Septemberhälfte hat sich der Anteil an Grundwassermessstellen (65 von 70) mit rückläufiger Tendenz im Vergleich zu Mitte September deutlich erhöht (84 % → 92 %). Weitere 6 % der Messstellen sind aus dem unteren Normalbereich auf ein niedriges Niveau abgefallen, sodass sich Ende September insgesamt 61 % auf niedrigem Niveau bewegen.

Die angekündigten Niederschläge könnten zu einer leichten Entspannung der Lage an Grundwassermessstellen führen, die in Verbindung mit Oberflächengewässern stehen und generell wetterfühlig reagieren. Mit einer weiträumigen Entspannung ist derzeit allerdings noch nicht zu rechnen. Hierfür müssten sich die Niederschläge über längere Zeiträume verstetigen, sodass die Bodenzone effektiv aufgesättigt wird und Grundwasserneubildung einsetzen kann.

Den Monatsbericht im LUBW-Fachprodukt Grundwasserstände und Quellschüttungen zu den Grundwasserverhältnissen August 2026 finden Sie hier.

Wasserhaushalt

Bodenfeuchte: Trockenstress für die Pflanzen

Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel rund 30% nFK. Das bedeutet beginnender Trockenstress für die Pflanzen. Regional gibt es größere Abweichungen der Bodenfeuchte (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte).
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden (bis ca. 1,8 m Tiefe), die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.

Klimatische Wasserbilanz: historisches Wasserdefizit

Baden-Württemberg erlebt derzeit ein historisches Wasserdefizit. Anfang September ist die klimatische Wasserbilanz so niedrig wie nie zuvor in den vorliegenden Daten seit 1991.

Das bedeutet: Es ist deutlich mehr Wasser durch Verdunstung verloren gegangen, als durch Regen nachgekommen ist. Im aktuellen hydrologischen Jahr (November bis Oktober) weist der Zeitraum von November bis September ein außergewöhnlich großes Minus auf.

Die klimatische Wasserbilanz beschreibt den Unterschied zwischen dem Wasser, das durch Niederschlag hinzukommt, und dem Wasser, das durch Verdunstung wieder verloren geht. Ist die Bilanz stark negativ, trocknen Böden, Gewässer und Vegetation zunehmend aus.

Datenquelle für Niederschlag und potenzielle Verdunstung: Deutscher Wetterdienst (DWD).

NIZ-Info

Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land.

Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.