Lagebericht Oberflächengewässer
Lagebericht Oberflächengewässer
Herausgegeben am Freitag, 03. Juli 2026, 14:00 Uhr
Niederschläge ohne nachhaltige Wirkung: Niedrigwasserlage verschärft sich weiter.
Überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen in den Flüssen des Landes.
Allgemeine Lage
Niedrigwasser hat sich inzwischen auf das gesamte Land ausgedehnt.
In Baden-Württemberg melden 10 % der NIZ-Pegel extrem niedrige Wasserstände und weitere 34 % sehr niedrige Wasserstände. Die Niedrigwasserlage betrifft das gesamte Land. Schwerpunkt extrem niedriger Wasserstände ist aktuell der Südosten des Landes.
Kurzfristige Regenfälle, anhaltende Trockenheit
Aktuelle Wettervorhersagen zeigen keinen Niederschlag in den kommenden Tagen. Zudem deutet die Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen trockenen Juli hin. Vor diesem Hintergrund ist es wahrscheinlich, dass sich die Niedrigwasserlage nach der kurzfristigen, niederschlagsbedingten Entspannung seit Montag in den nächsten Tagen und Wochen wieder deutlich verschärfen wird.
Die Anzahl besonders stark betroffener Gewässer steigt.
Besonders betroffen sind derzeit die Einzugsgebiete im Süden und Osten Baden-Württembergs. Zunehmend werden aber auch für weitere Gewässer extrem niedrige Wasserstände gemeldet.
Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.
Ursache der aktuellen Entwicklung ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut. Der Deutsche Wetterdienst meldet, dass die Niederschlagsmenge im Juni in Baden-Württemberg rund 55 mm (107 mm) betragen habe und damit nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was normalerweise zu dieser Jahreszeit fällt. Dabei seien die Niederschläge sehr inhomogen verteilt gewesen: 20 bis 30 mm in den Niederungen und 50 bis 80 mm im Umfeld der Bergländer. Bereits der Mai war mit etwa 60 mm Niederschlag unterdurchschnittlich und erreichte nur rund zwei Drittel des klimatologischen Mittelwertes von 96 mm.
Deutliches Niederschlagsdefizit seit Beginn des hydrologischen Jahres
Besonders im Südosten Baden-Württembergs herrscht seit Monaten ein ausgeprägtes Niederschlagsdefizit, das sich inzwischen deutlich in den Abflussverhältnissen der Gewässer widerspiegelt. Auch im bisherigen hydrologischen Jahr (1. November bis 31. Oktober) liegt die Niederschlagssumme deutlich unter dem langjährigen Mittel.
Fazit/Ausblick
Nach kurzer und nur leichter Erholung breitet sich die Niedrigwasserlage wieder aus. Es sind keine langanhaltenden, großflächigen Niederschläge geringer Intensität (sog. "Landregen") in Sicht. Damit ist mit einer weiteren Verschärfung der Niedrigwasserlage und einer Ausbreitung auf weitere Einzugsgebiete zu rechnen.
Lage in den großen Gewässern
Bodensee
Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 331 cm (Tagesmittel vom 02. Juli 2026). Er liegt damit 74 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (405 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand ist der zweitniedrigste Wasserstand, der je an einem 02. Juli gemessen wurde. Der historisch gemessene Minimalwert an einem 02. Juli liegt im Auswertezeitraum ab 1850 bislang bei 329 cm im Jahr 1976.
Den niedrigsten Wasserstand im Gesamtjahr erreicht der Bodensee zumeist in den Monaten Februar oder März. So wurde am 09. Februar der bisher für das Gesamtjahr 2026 niedrigste Wasserstand von 276 cm gemessen. Seitdem ist der Seewasserstand in diesem Jahr um 55 cm angestiegen. Bezogen auf den Auswertezeitraum von 1991 bis 2020 wurde am 13. Februar 2006 der niedrigste Seewasserstand (229 cm) gemessen.
Die Vorhersagen zeigen einen Rückgang des Wasserstands in den kommenden 10 Tagen.
Der Wasserstand des Sees folgt einem natürlichen Jahresverlauf. Typischerweise erwartet man zu dieser Jahreszeit den höchsten Stand. Grund hierfür ist, dass der Niederschlag über Flüsse und Bäche in den See fließt und nicht als Schnee in den Bergen gespeichert wird. Hinzu kommt Schneeschmelze im Gebirge.
In den letzten Wochen ist es allerdings sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheits-plattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Zudem fällt die Schneeschmelze gering aus, da vor allem in den tieferen Lagen der Alpen weniger Schnee liegt als für diese Jahreszeit üblich. Beides führt dazu, dass der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees deutlich weniger Wasser führt als üb-lich.
Oberrhein
Kein Niedrigwasser; am Oberrheinpegel Maxau wurde am 02. Juli im Tagesmittel ein Wasserstand von 446 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 890 m³/s. Aktuelle Vorhersagen zeigen einen Rückgang des Wasserstands bis zur Niedrigwasser-Stufe 1 im Laufe der kommenden Woche.
Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.
Neckar
Moderat niedrig; der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 02. Juli einen mittleren Abfluss von 12,6 m³/s. Laut Vorhersagen wird der Wasserstand ab heute wieder auf sehr niedrig (Niedrigwasser) abfallen.
Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.
Donau
Niedrig (Vorstufe Niedrigwasser); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau. Dort wurde am 02. Juni im Tagesmittel ein Abfluss von 6,6 m³/s gemessen. Der mittlere Abfluss beträgt dort 26,6 m³/s.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober. Die aktuellen Vorhersagen zeigen für die baden-württembergische Donau nach kurzer, leichter Entspannung ab heute wieder extrem niedrige Wasserstände.
Wasserqualität in den Fließgewässern
Wassertemperatur
Die Wassertemperaturen in den Flüssen des Landes sinken derzeit langsam. Der gestrige Tagesmittelwert der Wassertemperatur überschritt an einigen Gütemessstationen in Rhein, Neckar sowie der Donau die langjährigen Maximalwerte für die erste Juliwoche. Für die kommenden Tage wird ein weiterer Rückgang der Wassertemperaturen erwartet.
Sauerstoff
Trotz der extremen Wassertemperaturen liegen die Sauerstoffgehalte in Rhein und im gestauten Bereich des Neckars – nur für diese beiden Flüsse liegen ständige Messwerte vor – immer noch in einem zufriedenstellenden Bereich.
Im Vergleich zur Vorwoche sind die Sauerstoffgehalte nach dem Wetterumschwung an allen Neckarmessstationen zurückgegangen, kritische Konzentrationen von unter 4,5 mg/L werden jedoch nicht erreicht.
Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet.
Wasserhaushalt
Bodenfeuchte
Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 30,1 % nFK. Damit beginnt für die Pflanzen Trockenstress. Die Vorhersagen zeigen für die nächsten Tage einen Rückgang auf unter 30 % nFK (Trockenstress der Vegetation). Regional gibt es aber größere Abweichungen (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte). Damit liegt die Bodenfeuchte deutlich unter dem Mittelwert.
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden, die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.
Klimatische Wasserbilanz
Die aktuelle klimatische Wasserbilanz in Baden-Württemberg ist Anfang Juni so niedrig wie noch nie zuvor gemessen (seit 1991). Sie liegt im aktuellen hydrologischen Jahr (Nov.-Okt.) bei -28 mm im Bilanzierungszeitraum November bis Juni. Eine negative Bilanz zu dieser Jahreszeit wurde bisher noch nicht beobachtet. Der durchschnittliche Bilanz für diesen Zeitraum liegt bei 252 mm (Datenquelle für Niederschlag und potentielle Verdunstung: DWD).
Die klimatische Wasserbilanz stellt eine quantitative Gegenüberstellung von Wassergewinn (Niederschlag) und Wasserverlust (potentielle Verdunstung) in einem bestimmten Gebiet für einen festgelegten Zeitraum dar.
NIZ-Info
Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land. Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.
Der Lagebericht wird voraussichtlich am Montag, den 06.07.2026 aktualisiert. In landesweiten Niedrigwassersituationen wird der Lagebericht jeweils Montag, Mittwoch und Freitag aktualisiert.