Lagebericht Oberflächengewässer
Lagebericht Oberflächengewässer
Herausgegeben am Montag, 13. Juli 2026, 14:00 Uhr
Extremes Niedrigwasser in vielen Gewässern, gesamtes Land betroffen.
Überdurchschnittlich hohe Wassertemperaturen in den Flüssen des Landes.
Allgemeine Lage
Niedrigwasser hat sich inzwischen auf das gesamte Land ausgedehnt.
In Baden-Württemberg melden 60% der NIZ-Pegel extrem niedrige Wasserstände und weitere 25% sehr niedrige Wasserstände. Die Niedrigwasserlage betrifft das gesamte Land.
Kurzfristige Entspannung in Sicht
Aktuelle Wettervorhersagen zeigen Niederschlag in den kommenden Tagen. Dadurch wird sich die Situation in einigen Gewässer kurzzeitrig entspannen.
Kurzfristige, starke Niederschläge, wie sie bei Gewittern auftreten, fließen überwiegend oberflächlich ab und führen zu einem kurzfristigen Anstieg der Wasserstände. Der Boden kann nur einen kleinen Teil des Niederschlags aufnehmen, da die Intensität des Niederschlags die Aufnahmefähigkeit des Bodens übersteigt. Daher ist nach den Gewittern in dieser Woche mit einer Rückkehr der Niedrigwasserlage zu rechnen. Auch die Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes (DWD) deutet auf eine hohe Wahrscheinlichkeit für trockene kommende Wochen hin.
Die Anzahl besonders stark betroffener Gewässer steigt.
Besonders betroffen sind derzeit die Einzugsgebiete im Süden und Osten Baden-Württembergs. Zunehmend werden aber auch für weitere Gewässer extrem niedrige Wasserstände gemeldet.
Monate mit zu wenig Niederschlag wirken nach.
Ursache der aktuellen Entwicklung ist die seit mehreren Monaten anhaltende Niederschlagsarmut vor allem im Südosten Baden-Württembergs.
Im Juli hat es in Baden-Württemberg bisher im Mittel 13 mm geregnet. Allerdings nicht gleichmäßig verteilt, sondern lokal begrenzt (Gewitter) mit Schwerpunkt im Süd-Osten am Anfang des Montas. Der Deutsche Wetterdienst meldet, dass die Niederschlagsmenge im Juni in Baden-Württemberg rund 55 mm (107 mm) betragen habe und damit nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was normalerweise zu dieser Jahreszeit fällt. Dabei seien die Niederschläge sehr inhomogen verteilt gewesen: 20 bis 30 mm in den Niederungen und 50 bis 80 mm im Umfeld der Bergländer. Bereits der Mai war mit etwa 60 mm Niederschlag unterdurchschnittlich und erreichte nur rund zwei Drittel des klimatologischen Mittelwertes von 96 mm.
Fazit/Ausblick
Im gesamten Land herrscht derzeit eine Niedrigwasserlage. Niederschlag in den kommenden Tagen bringt nur kurze Entspannung. Danach ist mit einem Rückgang auf Niedrigwasser-Niveau zu rechnen.
Lage in den großen Gewässern
Bodensee
Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 313 cm (Tagesmittel vom 12. Juli 2026). Er liegt damit 88 cm unter dem saisonalen Wasserstandsmittel für diesen Tag im Jahr (401 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit deutlich unter den jahreszeitlich üblichen Werten. Der aktuelle Wasserstand liegt unter dem historischen Minimalwert für den 12. Juli von 320 cm im Jahr 1976 (Auswertezeitraum ab 1850).
Den niedrigsten Wasserstand im Gesamtjahr erreicht der Bodensee zumeist in den Monaten Februar oder März. So wurde am 09. Februar der bisher für das Gesamtjahr 2026 niedrigste Wasserstand von 276 cm gemessen. Bezogen auf den Auswertezeitraum von 1991 bis 2020 wurde am 13. Februar 2006 der niedrigste Seewasserstand (229 cm) gemessen.
Die Vorhersagen zeigen einen gleichbleibenden Wasserstand bis Donnerstag. Danach wird der Wasserstand um wenige Zentimeter ansteigen.
Der Wasserstand des Sees folgt einem natürlichen Jahresverlauf. Typischerweise erwartet man zu dieser Jahreszeit den höchsten Stand. Grund hierfür ist, dass der Niederschlag über Flüsse und Bäche in den See fließt und nicht als Schnee in den Bergen gespeichert wird. Hinzu kommt Schneeschmelze im Gebirge.
In den letzten Wochen ist es allerdings sehr trocken gewesen. Die Nationale Trockenheitsplattform der Schweiz meldet derzeit Trockenheit Stufe 4 (Große Gefahr) für Teile des Bodenseeeinzugsgebietes. Zudem fällt die Schneeschmelze gering aus, da vor allem in den tieferen Lagen der Alpen weniger Schnee liegt als für diese Jahreszeit üblich. Beides führt dazu, dass der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees deutlich weniger Wasser führt als üblich.
Oberrhein
Extrem niedrig (NQ-Stufe 2); am Oberrheinpegel Maxau wurde am 12. Juli im Tagesmittel ein Wasserstand von 333 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 468 m³/s. Aktuelle Vorhersagen zeigen Ende der Woche einen Anstieg auf NW-Stufe 1 (sehr niedrig) danach wieder einen Rückgang auf extrem niedrig (NQ-Stufe 2).
Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.
Neckar
Sehr niedrig (Niedrigwasser-Stufe 1); der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 12. Juli einen mittleren Abfluss von 9,03 m³/s. Laut Vorhersagen wird der Wasserstand in den kommenden Tagen ansteigen, danach aber wieder Niedrigwasser-Schwellenwerte erreichen und unterschreiten.
Hinweis: Stauregelung führt im Neckar derzeit zu kurzfristigen Unterschreitungen von NW-Schwellenwerten. Für die Niedrigwasser-Einstufung muss allerdings der Wasserstand im Tagesmittel einen Niedrigwasser-Schwellenwert erreichen oder unterschreiten.
Donau
Extrem niedrig (Niedrigwasser-Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau. Dort wurde am 12. Juli im Tagesmittel ein Abfluss von 3,48 m³/s gemessen. Der mittlere Abfluss beträgt dort 26,6 m³/s.
Den niedrigsten Abfluss im Gesamtjahr erreicht die Donau zumeist in den Monaten September und Oktober. Die aktuellen Vorhersagen zeigen für die baden-württembergische Donau einen kurzfristigen Anstieg der Wasserstände. Danach wird der Wasserstand aber wieder Niedrigwasser-Schwellenwerte erreichen und unterschreiten.
Wasserqualität in den Fließgewässern
Wassertemperatur
An allen Gütemessstationen in Rhein, Neckar, Donau und den Nebenflüssen werden weiterhin sehr hohe Wassertemperaturen für die dritte Juliwoche gemessen. An einzelnen Messstationen in Rhein, Neckar, Donau und Fils wurden am 12. Juli neue Höchstwerte der Tagesmittelwerte der Wassertemperatur für diesen Kalendertag registriert. Für die kommenden Tage werden weiter ansteigende Wassertemperaturen vorhergesagt. Ab Freitag werden sinkende Wassertemperaturen erwartet.
Sauerstoffgehalt
Die Sauerstoffgehalte in Neckar und Rhein und Donau liegen derzeit in einem zufriedenstellenden Bereich. Im Vergleich zur Vorwoche sind die Sauerstoffgehalte angestiegen.
Im Neckar liegen die in den frühen Morgenstunden gemessenen Sauerstoffkonzentrationen derzeit deutlich oberhalb des Warnwertes von 4,5 mg/L. Die Lage am Neckar wird weiterhin intensiv beobachtet, da insbesondere nach starken Gewitterregen sauerstoffzehrende Stoffe über Regenwasserentlastungen in Kanalnetze eingetragen werden und schnell fallende Sauerstoffwerte zur Folge haben.
Grundwasser
Die Grundwasserstände und Quellschüttungen sind derzeit landesweit rückläufig (Stand: 10.07.2026), teils noch im unteren Normalbereich und teils bereits im niedrigen Bereich. Diese Entwicklung wird in den nächsten Tagen weiter anhalten. Bei den Messstellen mit bereits niedrigen Verhältnissen ist keine Entspannung zu erwarten. Es ist davon auszugehen, dass weitere Messstellen, die sich momentan noch im unteren Normalbereich bewegen, auf ein niedriges Niveau zurückgehen werden.
Wasserhaushalt
Bodenfeuchte
Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 18,4 % nFK. Das bedeutet Trockenstress für die Pflanzen. Die Vorhersagen zeigen für die nächsten Tage weiterhin Werte deutlich unter 30 % nFK (Trockenstress der Vegetation). Regional gibt es aber größere Abweichungen (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte). Damit liegt die Bodenfeuchte deutlich unter dem Mittelwert.
Der Dürremonitor des UFZ meldet für große Teile Baden-Württembergs eine Dürre im Gesamtboden, die statistisch im Mittel nur alle 50 Jahre auftritt.
Klimatische Wasserbilanz
Die aktuelle klimatische Wasserbilanz in Baden-Württemberg ist Anfang Juni so niedrig wie noch nie zuvor gemessen (seit 1991). Sie liegt im aktuellen hydrologischen Jahr (Nov.-Okt.) bei -28 mm im Bilanzierungszeitraum November bis Juni. Eine negative Bilanz zu dieser Jahreszeit wurde bisher noch nicht beobachtet. Die durchschnittliche Bilanz für diesen Zeitraum liegt bei 252 mm (Datenquelle für Niederschlag und potentielle Verdunstung: DWD).
Die klimatische Wasserbilanz stellt eine quantitative Gegenüberstellung von Wassergewinn (Niederschlag) und Wasserverlust (potentielle Verdunstung) in einem bestimmten Gebiet für einen festgelegten Zeitraum dar.
NIZ-Info
Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land. Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.
Der Lagebericht wird voraussichtlich am Mittwoch, den 15.07.2026 aktualisiert. In landesweiten Niedrigwassersituationen wird der Lagebericht jeweils Montag, Mittwoch und Freitag aktualisiert.