Lagebericht Oberflächengewässer
Lagebericht Oberflächengewässer
Herausgegeben am Montag, 15. Juni 2026, 10:00 Uhr
Niedrigwasser im Südosten des Landes.
Allgemeine Lage
Abfluss: In Baden-Württemberg melden 7 % der NIZ-Pegel extrem niedrige Wasserstände und 22 % der Pegel sehr niedrige Wasserstände. Derzeit sind die niedrigsten Wasserstände im Südosten des Landes zu verzeichnen.
Für die kommenden Tage sind kaum Niederschläge vorhergesagt. Zudem zeigt die Witterungsvorhersagen des DWD eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine trockene zweite Juni-Hälfte. Daher kommt es insbesondere in der Donau, Riß, Schussen und Argen zu extrem niedrige Wasserstände. Die Niedrigwasserlage wird sich zudem auf weitere Einzugsgebiete ausbreiten.
Niederschlag: Im Juni sind in Baden-Württemberg bis zur Monatsmitte rund 40 mm Niederschlag gemessen worden, was 37 % des Monatssolls für den gesamten Juni (107 mm, Bezugszeitraum 1961-1990) entspricht. Im Vergleich dazu blieb der Mai mit etwa 60 mm Niederschlag deutlich unter dem klimatologischen Soll von 96 mm, was nur etwa zwei Drittel des Üblichen entspricht. Insbesondere im Süd-Osten war es in den letzten Monaten sehr trocken, was sich in der Abflusssituation widerspiegelt. Im aktuellen hydrologischen Jahr (1.11. - 31.10.) gab es bis Ende April nur 366 mm Niederschlag (Mittelwert: 523 mm).
Lage in den großen Gewässern
Bodensee: Der Wasserstand am Pegel Konstanz / Bodensee beträgt aktuell 334 cm (Tagesmittel vom 14. Juni 2026). Er liegt damit 71 cm unter dem Durchschnitt für diesen Tag im Jahr (405 cm im Bezugszeitraum 1991-2020) und somit unter den erwarteten Werten.
Dieser Pegelstand wurde an einem 14. Juni zuletzt im Jahr 2011 unterschritten.
Die Vorhersagen zeigen einen leicht zurückgehenden Wasserstand im Bodensee.
Der Wasserstand des Sees folgt einem natürlichen Jahresverlauf. Typischerweise erwartet man zu dieser Jahreszeit den höchsten Stand. Grund hierfür ist, dass der Niederschläg über Flüsse und Bäche in den See fließt und nicht als Schnee in den Bergen gespeichert wird. Hinzu kommt Schneeschmelze im Gebirge.
In den letzten Wochen ist es allerdings sehr trocken gewesen. Zudem fällt die Schneeschmelze gering aus, da vor allem in den tieferen Lagen der Alpen weniger Schnee liegt als für diese Jahreszeit üblich. Beides führt dazu, dass der Alpenrhein, der Hauptzufluss des Bodensees deutlich weniger Wasser führt als üblich.
Oberrhein: Moderat niedrig; am Oberrheinpegel Maxau wurde am 14. Juni im Tagesmittel ein Wasserstand von 428 cm gemessen. Das entspricht einem Abfluss von 815 m³/s.
Aktuelle Vorhersagen zeigen kein Niedrigwasser im Oberrhein in den nächsten zehn Tagen.
Am Pegel Maxau treten die jährlichen Niedrigstwasserstände in der Regel im Herbst oder Winter auf.
Neckar: Moderat niedrig; der für den Neckar repräsentative Pegel Wendlingen-Kläranlage meldet für den 14. Juni einen mittleren Abfluss von 14,0 m³/s. Laut Vorhersagen wird gegen Ende der Woche der Schwellenwert zu Niedrigwasser Stufe 1 (sehr niedrig) erreicht und unterschritten.
Donau: Extrem niedrig (Niedrigwasser Stufe 2); der Pegel Hundersingen ist repräsentativ für die baden-württembergische Donau. Dort wurde am 14. Juni im Tagesmittel ein Abfluss von 4,92 m³/s gemessen. Der mittlere Abfluss beträgt dort 26,6 m³/s. Die aktuellen Vorhersagen zeigen für die baden-württembergische Donau weiterhin extrem niedrige Wasserstände in den kommenden zehn Tagen und Rekordniedrigstwerte für diese Jahreszeit.
Wassertemperaturen in den Fließgewässern
Aktuell liegen die Wassertemperaturen im Rhein, Neckar sowie in den Neckarnebenflüssen überwiegend im Bereich der langjährigen Mittelwerte für die dritte Juniwoche. In der Donau sowie in der Radolfzeller Aach werden hingegen deutlich überdurchschnittliche Wassertemperaturen gemessen. Für die kommenden Tage wird ein weiterer Anstieg der Wassertemperaturen erwartet.
Wasserhaushalt
Bodenfeuchte: Die Bodenfeuchte beträgt bis in 1m Tiefe im Landesmittel 47 % nFK. Damit beginnt für die Pflanzen Trockenstress. Regional gibt es aber größere Abweichungen (hierbei handelt es sich um Modellabschätzungen, Details siehe https://niz.baden-wuerttemberg.de/wasserhaushalt/bodenfeuchte).
Klimatische Wasserbilanz: Anfang Juni war die klimatische Wasserbilanz im Bezugszeitraum 1991-2026 noch nie so niedrig wie aktuell. Sie liegt im aktuellen hydrologischen Jahr (Nov.-Okt.) bei 63 mm von November bis Mai. Der Durchschnitt liegt bei 277 mm für diese Monate (Datenquelle für Niederschlag und potentielle Verdunstung: DWD).
Die klimatische Wasserbilanz stellt eine quantitative Gegenüberstellung von Wassergewinn (Niederschlag) und Wasserverlust (potentielle Verdunstung) in einem bestimmten Gebiet für einen festgelegten Zeitraum dar.
NIZ-Info
Das Niedrigwasser-Informationszentrum Baden-Württemberg (NIZ) ist die fachliche Anlaufstelle bei niedrigen Pegelständen in Grund- und Oberflächengewässern und gibt Auskunft zu vergangenen, aktuellen und vorhergesagten Wassermengen und zur Wasserqualität im Land. Weitere Informationen finden Sie auf niz.baden-wuerttemberg.de.
Der Lagebericht wird voraussichtlich am Montag, den 22.06.2026 aktualisiert. In landesweiten Niedrigwassersituationen wird der Lagebericht jeweils Montag, Mittwoch und Freitag aktualisiert.